Das Dilemma zwischen Heritage und Street


Die Sache ist die: Design und Mode sind Geschmackssache und gefallen
daher nie allen gleich gut. Dementsprechend können Marken nicht alles für
jeden sein.

Modische Metamorphosen sind knifflig

Um in einem Moment das traditionelle Erbe eines alteingesessenen
britischen Hauses heraufzubeschwören, wie Burberry dies tut, sich auf sein
durch und durch Britischsein zu berufen, und sich anschließend wieder in
ein ganz zeitgenössisches Label zu verwandeln, das modernste Streetwear
bietet und die digitale Jugend anspricht, ist schwierig bis unmöglich.

Im Falle von Burberry wurde eine neue Ära eingeläutet, als Ricardo Tisci
vor drei Saisons die kreative Leitung übernahm, wenn auch nicht mit der
gleichen Gestaltungsfreiheit, die Hedi Slimane sie Celine genoss. Tisci hat
der Marke seither erfolgreich seinen Stempel aufgedrückt und zugleich ich
die kommerziellen Bedürfnisse der nächsten Generation globaler Modefans
befriedigen müssen. Die Transformation begann mit der Neuausrichtung der
Markenidentität und einer Auffrischung des Logos vor einem Jahr, und durch
mehrere Anläufe kommen wir bei der London Fashion Week Burberrys S/S20-Show
„Evolution“ an: Monochrome Schneiderei, Streetwear und weniger vergangene
Burberry-Ära.

Wörter ohne Bedeutung

„Die erste Saison lernte ich Buchstaben, ein Alphabet, die zweite
Saison, begann ich zu schreiben, jetzt habe ich das Gefühl, dass ich ein
gutes oder vielleicht auch schlechtes Buch über das, was ich bei Burberry
mache, schreibe“, sagte Ricardo Tisci, Burberrys Chief Creative Officer
gegenüber AFP Backstage nach seiner S/S20-Schau auf der London Fashion
Week.

Natürlich erwartet niemand, dass Tisci ewige Dekonstruktionen des beigen
Trenchcoats im Karomuster vorschlägt. Marken-Sportswear verkauft sich auf
den globalen Märkten, das jedenfalls sagen die von allen gesammelten Daten.
Aber suchen die Konsumenten nach überdimensionaler Streetwear und Sweats
von Burberry, oder suchen die kommerziellen Augen bei Burberry nach dem
Kunden, der Streetwear und Sweats shoppt? Es ist wieder das gleiche
Dilemma, dass Marken nicht alles für alle Konsumenten sein können.

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„Wir streben weiterhin nach Luxus, aber wir vergessen nicht die Straße“,
sagte Tisci zu Vogue. „Es gibt die Queen, aber es gab immer auch die
Rebellion, die Skinheads, die Punks, also haben wir diesen Kampf, die
beiden Seiten.“

Wenn „Evolution“ der Titel der Show war, war es keine allmähliche
Entwicklung, sondern radikaler und allumfassend, von der klaren
Maßschneiderei in monochromem Grau über italienische Spitzen und
verzauberte Trenchcoats bis hin zu urbanen Clubkids in sportlichen Parkas
und Markenpullovern.

Offensichtlich gab es ein bewusstes Bestreben, Luxus zu sein, was gut
zur Marke passte. Tisci hat ein scharfes Auge für Stoff, nachdem er sich
bei Givenchy die Hörner abgestoßen hat, dem Haus Raffinesse und Modernität
verlieh und wmoit er auch bei Burberry ein gutes Zeichen setzen kann.

Burberry: Das Dilemma zwischen Heritage und Street

Um ehrlich zu sein, die Kollektion bot für jeden etwas. Es gab
Abendkleidung und traditionelle Anzüge, viel Oberbekleidung sowohl im
klassischen als auch im Streetstyle, Schals a la Hermès – drapiert und mit
Tigerköpfen bedruckt – und genügend Accessoires, um die Verkaufszahlen zu
sichern. Der allgegenwärtige Trenchcoat wurde nicht vergessen, einer kam
mit Kristallen verziert und wurde von der ehemaligen Burberry-Frau Agyness
Deyn getragen. Ein weiterer, ein bodenlanger, geschwungener Trench, der von
Freja Beha Erichsen in Look 16 über Denim getragen wurde, war der Star der
Show.

Bild: Burberry SS20 via Catwalkpictures

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht.
Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ



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