„Die PiS-Regierung will zeigen, dass die Deutschen den Polen etwas schulden“


Schon zum 83. Mal jährt sich heute welcher deutsche Handstreich gen Polen. Schätzungen zufolge wurden während welcher nationalsozialistischen Besatzungszeit mehr qua sechs Mio. Polen ermordet. Dies Nachbarland stellt an diesem hochsymbolischen Tag seinen weit erwarteten Lagebericht zu den Reparationsforderungen vor. Die Politologin Agnieszka Łada-Konefał vom Deutschen Polen-Institut erklärt im ntv.de-Interview, worum es in Polen praktisch geht.

ntv.de: Die polnische Parlamentskommission stellt heute ein Gutachten zu den Kriegsschäden Nazi-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg vor. Es gibt polnische Volksvertreter, die von Hunderten Milliarden Euro sprechen. Welches erwarten Sie?

Agnieszka Łada-Konefał: Die polnischen Volksvertreter, die sich mit dem Themenbereich vereinnahmen, nach sich ziehen immer wieder unterschiedlichste Summen genannt. Welche Zahl letztendlich im Lagebericht landet, ist unklar. Nachdem meiner Auffassung waren bisher jene Milliardensummen ungefähr pro die polnische Öffentlichkeit gedacht. Mit welcher Veröffentlichung des Berichts wird es schon zwei Paar Schuhe sein – dann ist es eine offizielle Zahl.

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Agnieszka Łada-Konefał ist die stellvertretende Direktorin des Deutschen Polen-Instituts.

(Foto: privat)

Homolog wie die Geldsummen ist zweite Geige dasjenige Gutachten seither Jahren angekündigt. Warum gezwungen die konservative PiS-Regierung dasjenige?

Schon in welcher vorherigen Legislaturperiode hat die Parlamentskommission zum ersten Mal getagt. Die PiS-Volksvertreter nutzen dasjenige Themenbereich immer wieder zur innenpolitischen Stimmungsmache. In einem Jahr wird in Polen ein neues Parlament gewählt und man merkt, dass die Wahlkampagne schon angefangen hat. Die PiS-Regierung will signalisieren, dass sie sich um die polnische Vergangenheit kümmert, und damit vermitteln, dass die Deutschen den Polen irgendetwas verdanken. Dies verdeutlicht zweite Geige dieser hochsymbolische Termin. Damit gibt es Zweifel, welches dieser Lagebericht implizieren wird und ob er wirklich wissenschaftlich sein wird.

Sie nach sich ziehen demnach nicht ohne Maß hohe Erwartungen an dasjenige, welches vorgestellt wird?

Charakteristisch werden da viele Fakten stillstehen, Orte, Namen, die schon seither Langem prestigevoll sind und die wieder die Wahrheit gut die tragische Vergangenheit zeigen. Es kommen wahrscheinlich zweite Geige manche neue Informationen, welches immer gut ist – die Vergangenheit soll man immer besser erkunden. Die Frage ist, wie man dann die Summe, die da steht, eingeschätzt hat und vor allem, wie man mit diesen Kenntnissen vorgehen will. Außerdem dient dieses Gutachten nicht dazu, um mit Deutschland ins Gespräch zu kommen.

Die deutsche Bundesregierung weigert sich, Reparationszahlung zu leisten. Sie argumentiert damit vor allem mit zwei Jahreszahlen. 1953 hat die SSSR gen Reparationszahlungen verzichtet. Die deutsche Begründung ist, dass dasjenige zweite Geige pro Polen gelte.

Zu welcher Zeit war Polen qua Volksrepublik komplett von welcher SSSR gebunden. Die damalige Regierung, genauer die eingesetzte Behörde, hat dasjenige gemacht, welches Moskau vorgegeben hat. In diesem Fall setzt die PiS-Begründung an: Hatte jene Regierung gar dasjenige Recht, die Reparationszahlungen abzulehnen? Und nach sich ziehen sie es gar gemacht? Vorgeblich sollen dazu Dokumente und rechtliche Beweise fehlen. Und dasjenige, obwohl sich Experten schon zigfach geäußert nach sich ziehen, dass dasjenige juristisch triftig stattgefunden hat.

Die zweite Jahreszahl, 1990, bezieht sich gen den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Genug damit deutscher Sicht hätten sich spätestens damit die Reparationszahlungen erledigt. Welches ist die polnische Status?

Dies Ziel welcher Zwei-plus-Vier-Verhandlungen war die möglichst schnelle Wiedervereinigung Deutschlands. Dieser Zweite Weltkrieg und die Reparationszahlungen wurden qua Themen dort vermieden. Polen war zwar damit, qua es um die Grenzfragen ging, doch nicht qua gleichberechtigter Teilnehmer zwischen allen Verhandlungen. So gesehen lässt sich nicht sagen, dass Polen dort irgendetwas bestätigt hätte.

Dieser Zwei-plus-Vier-Vertrag gilt qua Zweck welcher Nachkriegsgeschichte. Z. Hd. die Reparationszahlungen gab es doch keine abschließende Regulierung. Es ging drum, dem wiedervereinigten Deutschland eine neue Zeitalter zu eröffnen. Die PiS argumentiert hier wieder juristisch: Niemand habe mit Polen gesprochen.

Damit ist es praktisch die deutsche Seite, die vor allem juristisch argumentiert. Fehlt zwischen den Deutschen eine moralische Zielsetzung?

Die polnische und deutsche Seite betrachten die Frage um die Reparationszahlungen sehr unterschiedlich. Die Deutschen durchsprechen in welcher Tat sehr juristisch. Die Polen, und dasjenige unabhängig von welcher Parteipräferenz, sehen schon eine moralische Verantwortung Deutschlands. Dazu bekennen sich zweite Geige immer mehr deutsche Volksvertreter. Dieses Vergegenwärtigung zwischen den Deutschen, „Wir waren die Täter“, zeigt sich viel stärker qua noch vor ein paar Jahren – und ist in den Behaupten deutscher Volksvertreter präsenter. Dies heißt doch immer noch nicht, dass dasjenige Wissen, welches im Krieg in Polen geschehen ist, in Deutschland breit verbreitet ist. Und dasjenige beunruhigt viele in Polen.

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Z. Hd. die Polen hat dasjenige Themenbereich natürlich eine andere Einfluss: Die Todesopfer nach sich ziehen die moralische Verantwortung mehr im Blick qua die Täter. In Polen ist die Debatte viel emotionaler, dort hat jeder jemanden in welcher Familie, welcher im Krieg war oder dort Gefallen finden an ist. Getötete Zivilisten, verbrannte Häuser: Dies ruft die Zukunftserwartung hervor, es gehe nicht nur um juristische Regelungen, sondern um jene moralische Zusage. Mit diesem Gefühl spielen die PiS-Volksvertreter. Sie versuchen dasjenige auszunutzen, um Stimmung gegen Deutschland in Polen zu zeugen.

Welches sagt die Debatte zu den Reparationszahlungen gut dasjenige deutsch-polnische Verhältnis?

Im Deutschen Polen-Institut zusammen mit Partnern in Polen untersuche ich regelmäßig in welcher Schlange „Deutsch-Polnisches Barometer“ die Stimmungen zwischen Deutschen und Polen. Ebendiese Umfragen zeigen sehr klar, dass die Vergangenheit pro dasjenige Verhältnis nicht sonderlich wichtig ist. Man will ungefähr in die Zukunft schauen. Wir beobachten doch, dass sich mit dem Regierungsantritt welcher PiS-Politische Kraft irgendetwas geändert hat: Die Einfluss welcher Historie nimmt seitdem zu. Zum Vorzeigebeispiel war 2020 jede dritte polnische Verbindung zu Deutschland mit dem Krieg verbunden. Dies zeigt, dass die PiS-Rhetorik verdongeln Macht darauf hat, wie die Polen die Deutschen wahrnehmen. Da geht es dann nicht um die zwischenmenschlichen Kontakte: Die „normalen Bürger“ verstehen sich gut, wollen befreundet sein und zusammen funktionieren.

Worum geht es dann?

Die Rhetorik gelenkt ungefähr die politische Zielsetzung, wie Deutschland qua Nation betrachtet wird. Nicht, dass die Bundesrepublik nur gut ihre Vergangenheit wahrgenommen wird, doch pro die Polen spielt die Historie in dem Verhältnis eine riesenhaft große Rolle. Den Deutschen fehlt jedoch ein Vergegenwärtigung hierfür, deswegen sind sie darüber verwundert. Hier liegt dasjenige Problem: Aufwärts welcher polnischen Seite, unabhängig von welcher Parteipräferenz, gibt es die begründete Zukunftserwartung, dass die Deutschen mehr gut Polen und die gemeinsame Vergangenheit wissen sollten, weil sie Nachbarländer sind und die Polen wegen Deutschland so viel gelitten nach sich ziehen. Trotzdem in Deutschland ist dasjenige immer noch zu wenig welcher Kern.

Dann ist dasjenige Vorzeichen zum Teil vielleicht doch zweite Geige an Deutschland gerichtet?

Die Debatte gut die Reparationszahlungen geht es um viel mehr qua ums Geld. Es geht um die Zusage aus Deutschland: Polen ist ein wichtiges Nachbarland, dasjenige während des Zweiten Weltkriegs viel gelitten hat. Den Polen ist wichtig, dass die Deutschen ein Vergegenwärtigung prosperieren, dass nicht nur sehr viele Juden ermordet wurden, sondern zweite Geige viele polnische Zivilisten – leicht weil sie Polen waren. Inzwischen gibt es erste Vorbote, dass die Deutschen dasjenige zweite Geige verstehen: Etwa beim Projekt, dasjenige vom Deutschen Bundestag unterstützt wird, in Spreeathen verdongeln Ort des Erinnerns und welcher Treffen mit Polen zu errichten. Ebendiese Signale sind pro die Polen sehr wichtig.

Damit sollte doch differenziert werden, zwischen welcher innenpolitischen Debatte in Polen, die durch die PiS-Politische Kraft angetrieben ist, und die Zukunftserwartung zwischen wahrscheinlich den meisten Polen, dass Deutschland sich seiner Vergangenheit mehr klar sein sollte. Hier sollen jedwederlei Regierungen zusammenarbeiten, und praktisch schadet sich die PiS-Regierung zwischen den Reparationsforderungen selbst, denn sie fokussieren sich vor allem gen dasjenige Themenbereich Geld. Die Historiker und Experten sind an welcher Stelle schon viel weiter.

Mit Agnieszka Łada-Konefał sprach Sebastian Schneider