Dopingverstöße von Salazar: Klosterhalfen-Chefcoach wird lange gesperrt


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Konstanze Klosterhalfen läuft die beste Saison ihrer Karriere und geht bei der WM in Doha über 5000 Meter an den Start – der Chef ihrer Trainingsgruppe in den wurde nun wegen Dopingverstößen für vier gesperrt.

(Foto: imago images / Beautiful Sports)

“Jahrhundertalent” Konstanze Klosterhalfen wechselt 2018 zum Oregon Project in die USA und läuft die beste Saison ihrer Karriere. Der Chef der Trainingsgruppe wird aber nun wegen Dopingverstößen für vier Jahre gesperrt – einen Tag bevor Klosterhalfen bei der WM in Doha antritt.

Der umstrittene Leichtathletik-Trainer Alberto Salazar ist von der US-Anti-Doping-Behörde Usada wegen Dopingverstößen für vier Jahre gesperrt worden. Der 61 Jahre alte US-Amerikaner ist Chefcoach des Nike Oregon Projects, dem auch die deutsche Weltklasse-Mittelstrecklerin Konstanze Klosterhalfen angehört. Die 22-Jährige aus Leverkusen, die am Mittwoch bei der WM in Doha über 5000 Meter antritt, wird in den USA allerdings selbst von Assistenz-Coach Pete Julian trainiert.

“Ich bin schockiert über dieses Ergebnis. Das Oregon Project niemals geduldet und wird es niemals dulden. Ich werde Einspruch einlegen und nach vorne blicken”, sagte Salazar: “Während dieser sechsjährigen Untersuchung haben meine Athleten und ich eine ungerechte, unethische sowie äußerst schädigende Behandlung durch die Usada erfahren. Dies belegt schon die von Travis Tygart (Usada-Chef, d. Red.) veröffentlichte irreführende Aussage, dass das Gewinnen über die Gesundheit der Athleten stellen. Das ist völlig falsch.”

Salazar weißt Doping-Vorwürfe zurück

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Alberto Salazar ist von der US-Anti-Doping-Behörde wegen Dopingverstößen für vier Jahre gesperrt worden.

(Foto: REUTERS)

Zu Salazars bekanntesten Schützlingen gehören der viermalige britische Olympiasieger Mo Farah, der zweimalige Olympia-Medaillengewinner Galen Rupp und 1500-m-Olympiasieger Matthew Centrowitz (beide USA), der das Project mittlerweile verlassen hat. Heute gehören zur Trainingsgruppe außerdem: Yomif Kejelcha aus Äthiopien, der vergangenes Jahr den Weltrekord über eine Meile in der Halle brach, bei der Hallen-WM 2018 Gold über 3000 Meter gewann und in Doha über 10.000 Meter antritt und der US-amerikanische 800-m-Läufer Donavan Brazier, der sich als Erster seines Vorlaufs für das Finale heute Abend (21.10 Uhr) qualifizierte.

Die Sperre des gebürtigen Kubaners Salazar ist das Ergebnis vierjähriger Untersuchungen. Ebenso für vier Jahre wurde der Endokrinologe Jeffrey Brown, der zahlreiche Athleten Salazars behandelt hatte, aus dem Verkehr gezogen. US-Läuferin Kara Goucher warf Salazar vor, sie zur Einnahme des Schilddrüsenhormons Thyroxin gedrängt zu haben, das nicht auf der Doping-Liste steht. Und nach Angaben von Trainer Steve Magness soll Salazar im Besitz von Testosteron gewesen sein. Die Usada lobte bei der Verkündung der Sperre die Mitarbeit von Sportlern. “Sie hatten die Courage, auszupacken und die ultimative Wahrheit zu enthüllen”, sagte Tygart. Salazar und Brown hätten bei ihrer Arbeit für das Nike Oregon Project gezeigt, dass sie Titel über das Wohlbefinden der Sportler stellten.

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2017 hatte die russische Hacker-Organisation Fancy Bears verschiedenen Medien einen Usada -Untersuchungsbericht über das Nike Oregon Project zugespielt. Salazar wird in dem Bericht beschuldigt, auf gefährliche Weise die Leistung seiner Athleten gesteigert zu haben. Demnach sei es “nahezu sicher”, dass der frühere Marathon-Star gegen Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen habe. Sowohl Farah als auch Salazar hatten jegliche Vorwürfe zurückgewiesen. “Ich bin sauberer Athlet, habe niemals die Regeln gebrochen”, hatte Farah in einer Stellungnahme mitgeteilt. Ein Salazar-Athlet wurde noch nie positiv getestet.

Klosterhalfen trainiert in den USA “auf höherem Niveau”

Klosterhalfen trainiert seit November 2018 in den USA. Sie gehört dem Nike Oregon Project offiziell seit April an. Sie trainiert auf einem Campus, auf dem alles auf die Läufer und ihre Entwicklung ausgerichtet ist. Es gibt jegliche Innovationen und technische Neuerungen, die im Lauftraining existieren, Geld spielt hier kaum eine Rolle. Und Klosterhalfen trainiert der besten Konkurrenz weltweit, zum Beispiel mit der Weltmeisterin Sifan Hassan aus den Niederlanden, die in Doha mit einem Riesenendspurt Gold über 10.000 Meter gewann. Als erste Europäerin jemals.

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In der Diamond-League sammelte Klosterhalfen dieses Jahr Titel um Titel.

(Foto: imago images / Uk Sports Pics Ltd)

“In den USA kann ich auf einem höheren Niveau trainieren”, hatte Klosterhalfen nach ihrem deutschen Fabelrekord über 5000 Meter bei den Berlin Finals im August gesagt. “Der Schritt dorthin war auf jeden Fall der richtige.” Das Training dort sei “intensiver und von der Struktur her schlauer”, man sei “umgeben von Weltathleten und Weltcoaches mit viel Erfahrung” und auch die “Maßnahmen für die Regeneration sind auf einem anderen Niveau.” Boxtraining sei zum Beispiel ein Teil des speziellen Trainings vor Ort, “meine Finger waren sogar blau vom Schlagen”. Viel mehr trainiere sie nicht, so das “Jahrhundertalent” (Förderer Oliver Mintzlaff, Vorstandschef von RB Leipzig), dafür aber “schneller.” Dem aufkommenden Misstrauen begegnet Klosterhalfen offensiv-verständnisvoll. “Wer negativ darüber redet, soll sich vor Ort ein eigenes Bild machen”, hatte die Weltklasseläuferin in Berlin gesagt.

Koko “lehnt Doping komplett ab”

Das Management von Klosterhalfen sieht nach der Salazar-Sperre nun keine direkten Auswirkungen für den Leichtathletik-Shootingstar. “Natürlich waren wir von der Meldung auch überrascht und schockiert. Für Konstanze ändert sich aber nichts, weil sie bei Pete Julien trainiert”, teilte das Management dem SID mit: “Sie hat sich nichts zuschulden kommen lassen und wird es auch nicht tun. Sie lehnt Doping komplett ab. Nach der Saison werden wir uns aber zusammensetzen und das aufarbeiten.”

Jürgen Kessing, Präsident des deutschen Leichtathletik-Verbandes, reagierte zurückhaltend auf die auch für den DLV pikanten Entwicklungen. “Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir noch zu wenige Informationen, um die Suspendierung von Alberto Salazar einordnen zu können”, sagte der 62-Jährige und betonte: “Die DLV-Athletin Konstanze Klosterhalfen trainiert in Portland bei Coach Pete Julien. Konstanze ist eine mündige Athletin.” Kessing verwies zudem darauf, dass sich Klosterhalfen im Vorfeld der WM in Doha “mehrfach zu kritischen Fragen positioniert und dabei verdeutlicht” habe, “dass sie dem deutschen und internationalen Anti-Doping-Kontroll-System unterliegt. Trotz intensiver Kontrollen gab es bei ihr keine Beanstandungen und sie lehnt jede unerlaubte Methode ab.”



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