Ein Hochdruckgebiet gen die Bausünde: Ist dies Baukunst oder kann dies weg?


Klobige Betonmonster, Fassaden ohne Fenster, Säulen an den abwegigsten Stellen – hässlich, oder? Nein, einzigartig spannend, findet Turit Fröbe. Im Gespräch mit n-tv.de erklärt die Architekturhistorikerin, zu welchem Zeitpunkt eine Bausünde “gut” ist und in welcher Stadt die schlimmsten architektonischen Unfälle stillstehen.

n-tv.de: Sie in Anspruch nehmen sich schon seit dieser Zeit vielen Jahren mit Bausünden. Wie ist Ihre Leidenschaft für jedes architektonische Fehlgriffe entstanden?

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Turit Fröbe ist Architekturhistorikerin, Urbanistin und seit dieser Zeit 2001 leidenschaftliche Bausünden-Sammlerin.

(Foto: Philip Birau)

Turit Fröbe: Es gab eine Ur-Bausünde. In Bielefeld stand ich vor einem Stromkasten, jener mit mehreren Betonstehlen umgeben und qua Kunstwerk inszeniert war. Da wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Im selben Moment fiel die Idee vom Himmel, zusammenführen “Abrisskalender” zu zeugen, mithin Bausünden zu zusammenschließen. Von da an habe ich dies Haus nicht mehr ohne Kamera verlassen.

Könnte man zwischen Bausünden nicht simpel sagen: hässlich, wegreißen, weg?

Ja, genau. Gleichfalls ich habe vor 19 Jahren qua Bausünden-Hasserin begonnen. meine Wenigkeit war früher noch so eine ganz bornierte Architekturhistorikerin, habe mir nur geachtet, welches ausgewiesen gut war. Die Gesamtheit andere hat mich nicht neugierig. Dann bin ich die ersten Jahre mit dem Fahrrad durch die Viertel gekurvt und habe mich wie Rumpelstilzchen gefühlt und gedacht: Toll, jetzt räche ich mich an den ganzen Architekten und Häuslebauern. Dessen ungeachtet ich habe schnell festgestellt, dass Bausünden eine wahnsinnig interessante und vollkommen zu Unrecht vernachlässigte Architekturgattung sind.

Wie viele Fotos nach sich ziehen Sie inzwischen?

Etwa 6000 solange bis 7000 Bilder, es ist schon ein richtiges Dokumentensammlung. meine Wenigkeit glaube, dies wird irgendwann richtig Rang bekommen. In den Baukunst-Hochglanz-Zeitschriften ist ja irgendwas ganz anderes abgebildet. Meine Bausünde-Fotos zeigen städtebauliche Wirklichkeit, die rasch ist und verloren geht.

Hässlichkeit und Schönheit liegen ja doch im Pupille des Betrachters. Dessen ungeachtet gibt es verbindende Elemente, die allen Bausünden verbinden sind?

Es ist immer dies Austreten. Wenn irgendwas in Werkstoff und Form aus jener Schlange tanzt, dann fällt dies gen. Dasjenige ist interessanterweise fernerhin zwischen jener Spektakelarchitektur, wie zum Denkmuster jener Elbphilharmonie, jener Kern. Für Bausünden geht man fast wie davon aus, dass sie ersetzbar sind und überall stillstehen könnten. Dessen ungeachtet dies ist nicht jener Kern. Originelle, expressive Bausünden können nicht in jener Nachbargemeinde stillstehen, sie sind an den Ort gebunden, weil es eine gewisse Pose braucht, um so irgendwas hervorzubringen.

Woher weiß ich, wenn ich vor einem scheußlichen Gebäude stehe, ob es eine gute oder eine schlechte Bausünde ist?

Wenn Sie sofort wach sind und sich fragen: Wer hat dies gebaut, wer hat dies genehmigt, wie konnte dies vorbeigehen? Dann können Sie davon leer werden, dass es eine gute Bausünde ist. Dann ist sie mit Mut gestaltet. Oft spiegelt sich dies fernerhin in den Spitznamen, die die Landsmann diesen Gebäuden verschenken, zum Denkmuster wird dies “Alexa” in Spreeathen (eine Shoppingmall am Alexanderplatz, Anmerk. d. Red.) fernerhin “Pharaonengrab” genannt und in Gießen gibt es dies “Elefantenklo” (eine enorme Fußgängerbrücke mit drei riesigen Öffnungen übrig einer Straßenkreuzung, Anmerk. d. Red.).

Wie entstehen Bausünden fast wie, sind dies Pannen oder sollen sie provozieren?

meine Wenigkeit habe festgestellt, dass ganz unterschiedliche Wege zur Bausünde resultieren. Viele Sachen waren ursprünglich mal gute Baukunst, wie zum Denkmuster jener “Bierpinsel” in Spreeathen-Steglitz (ein 47 Meter hoher Turm, Anmerk. d. Red.). Jener war hochgelobt und ein ganz seltenes Denkmuster für jedes Popmusik-Modus-Baukunst. Dessen ungeachtet jener Architekturgeschmack ist launisch. Wir können nachher 20 solange bis 25 Jahren nicht mehr ausstehen, welches heute derzeitig ist. Es gibt ganz wenig zeitlose Baukunst.

Welches heute hipp ist, kann mithin schon morgiger Tag Bausünde sein.

Ja, davon kann man leer werden. Dasjenige betrifft ohne Rest durch zwei teilbar jene expressiveren Architekturen. In meinen Kalendern und Büchern taucht fernerhin immer wieder Gottfried Böhm gen. Dasjenige darf man fast wie mit Herz und Seele nicht zeugen, er ist jener unangefochtene Star jener deutschen Baukunst und ich finde ihn grandios. Dessen ungeachtet er hat es riskiert, dass seine Sachen aus jener Mode kommen. Jener hat diesem Einheitsbrei ganz klar irgendwas konträr. Und gute Bausünden kommen für jedes mich in jener Stellung schlichtweg hinter guter Baukunst, die Säumen sind fließend.

Architekten zu tun sein mithin mehr wagen?

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Hinaus jeden Kern ein Hingucker: dies “Alexa” in Spreeathen, fernerhin “Pharaonengrab” genannt.

(Foto: imago/Michael Eichhammer)

Wenige Städte in Betracht kommen heute noch ein Risiko ein, die meisten setzen gen Unsichtbarkeit oder gen Pseudo-Rekonstruktionen und Neo-Stile. Keiner traut sich mehr, ein echtes Statement zu setzen. Dessen ungeachtet Risiko ist gut für jedes die Bauproduktion. Natürlich gibt es fernerhin Bausünden, die sind von vornherein schiefgegangen. Zum Denkmuster jene Shopping-Malls, da nimmt man dies klar in Kauf. Beim “Alexa” ging es nicht drum, eine gute Baukunst zu produzieren, sondern drum, irgendwas zu schaffen, welches den Betrachter oder den Kunden anspringt. Dasjenige “Alexa” hat eine wahnsinnige Bildqualität, dies Gebäude kann man sich mitbekommen, wenn man dies einmal live gesehen hat.

Gibt es eine Stadt, in jener Sie die eindrucksvollsten Bausünden entdeckt nach sich ziehen?

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Dasjenige “Happy Rizzi House” macht Braunschweig zu einem Mekka für jedes Bausünde-Fans.

Braunschweig! Dort gibt es zum Denkmuster dies “Happy Rizzi House”, die penetranteste Bausünde Deutschlands. Wenn ich mir vorstelle, dass ich pro Tag daran vorbeifahren muss, dies tut weh.

Dessen ungeachtet ist es mit den Bausünden nicht fernerhin ein kleinster Teil so wie mit hässlichen Hunden, die man simpel liebevoll nach sich ziehen muss?

Ja, wenn man anfängt sie zu betrachten, eröffnet sich so ein ureigener Charme und eine Schönheit, die vorher nicht da war. Dasjenige Problem ist, dass wir Bausünden immer nur vom reflexhaften Wegsehen Kontakt haben. Wir gucken normalerweise nicht hin, allerdings genau dies habe ich getan. Denn mein erster Abrisskalender gen den Markt kam, habe ich gemerkt, dass ich die Gebäude keiner mehr wegreißen möchte. meine Wenigkeit hatte sie irgendwie ins Kardia geschlossen – solange bis gen eins.

Welches war dies?

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Jener Abrisskalender 2020: 366 Bausünden zum Zurückbauen

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Ein penetrant langweiliger Bürobau jener 70er-Jahre mit grünbraun-eloxierten Aluminiumplatten verkleidet und Jägerzaun davor.

Nach sich ziehen Sie fast wie dies Gefühl, dass sich die Menschen wieder stärker für jedes Baukunst interessieren?

Schier nicht. Es wird zwar viel übrig Baukunst berichtet, allerdings es geht immer nur um Spektakelarchitektur oder um Skandale und Pannen. Wir zu tun sein qua Verband wieder lernen, uns einzumischen und ein Gefühl hierfür zu prosperieren, wie wir wollen, und uns nichts mehr von Investoren diktieren lassen. meine Wenigkeit kämpfe sehr hierfür, dass die Baukultur ins Kardia jener Verband zurückkommt und dass die Personen lernen hinzusehen und ein Gefühl für jedes die Alltagsarchitektur zu prosperieren.

Mit Turit Fröbe sprach Katja Sembritzki



Quelle