„Eine neue und aufregende Weise“: Weltverband verteidigt die Intim-Kameras


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Die „upper cameras“ sollen spezielle Einblicke liefern. Die Kritik an der neuen Technik ist aber groß.

(Foto: imago images/Beautiful Sports)

Exklusive Bilder von den Athleten unmittelbar vor dem Start: Bei der Leichtathletik-WM in Doha setzen die Verantwortlichen auf eine neue Kameratechnik. Deren Einsatz wird von den Sportlern heftig kritisiert. Das stößt bei den Ideengebern allerdings nur auf wenig Verständnis.

Die Zuschauer sollen ganz besondere, ganz exklusive Einblicke bekommen. Sie sollen die Anspannung der Sprinterinnen und Sprinter unmittelbar vor dem Rennen erleben. Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha werden erstmals spezielle Kameras in den Startblöcken eingesetzt. Doch die neue Technik ist sehr umstritten. Denn sie filmt die Sportler beim Einstieg in den Block zwischen den Beinen. So kritisierten die deutschen Sprinterinnen Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto die Neuheit als „sehr fragwürdig“. In den „knappen Sachen über diese Kamera zu steigen, um in den Block zu gehen, finde ich sehr unangenehm“, begründete Lückenkemper ihren Einwand.

Athletenvertreterin Ebert unterstützt Kritik

Die deutschen Leichtathletinnen haben Unterstützung beim umstrittenen Einsatz von Kameras in den Startblöcken bei der WM in Doha bekommen. Amélie Ebert, Präsidiumsmitglied im unabhängigen Verein „Athleten Deutschland“, schloss sich der Kritik von Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto an. „Wenn bei einem Wettkampf die gewohnte Kameraführung geändert oder sogar pikante Kamerapositionen eingeführt werden sollen, wäre im Vorfeld eine Abstimmung mit der Athletenvertretung der Iaaf wünschenswert“, sagte sie der „Rheinischen Post“. „Generell würden wir es begrüßen, wenn es ein festes Prozedere der Abstimmung zwischen Veranstalter und Athleten in solchen Fällen gäbe“, meinte Ebert.

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Unter anderem der Deutsche Leichtathletik-Verband reichte Protest ein. Daraufhin habe der Veranstalter „versichert, dass die Bilder in der Regie – während die Athleten in den Block gehen – geschwärzt werden“, sagte Lückenkemper. Erst danach würden die Aufnahmen der „upper cameras“ im TV-Kontrollraum des Khalifa-Stadions, im Fernsehen und auf der Stadion-Videowand groß gezeigt. „Und nach 24 Stunden werden die Aufnahmen komplett gelöscht. So werden wir zwar in den Schritt gefilmt, aber es bekommt keiner zu sehen und die Bilder verschwinden vom Server. Darauf müssen wir an der Stelle vertrauen.“

„Erst mal alle dran gewöhnen“

Die Verantwortlichen für die als sexistisch kritisierten Kameras haben den Einsatz derweil verteidigt. „Die Leichtathletik besteht aus außergewöhnlichen Farben und Bewegungen im Wettbewerb, wir wollen dies alles der Welt auf eine neue und aufregende Weise präsentieren“, sagte der Fernsehdirektor James Lord vom Weltverband Iaaf der „Bild“-Zeitung zufolge. Produktionsdirektor Westbury Gillett, der der Zeitung zufolge die Idee hatte, sagte: „Die neuen Kameras halten den intensiven Moment fest, kurz bevor das Rennen losgeht.“ Da sehe man die Gesichter der Athleten.

Der Geschäftsführer der japanischen Herstellerfirma Seiko, Harumitsu Akashi, sagte ebenfalls dem Blatt, sein Unternehmen habe die Kamera nur entwickelt, die Idee sei aber von der Iaaf gekommen. „Ich habe auch davon gehört, dass die deutschen Sprinterinnen Probleme damit haben, allerdings nicht offiziell. Ich sie sogar verstehen. Das war nicht unsere Absicht. Aber die Entwicklung ist so neu, da müssen sich erst mal alle dran gewöhnen.“



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