Eine Zehenspitze zu weit: 34 Tausendstel lassen Turnerinnen trauern


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Elisabeth Seitz will bei der WM nun noch mehr Risiko gehen.

(Foto: imago images/Pressefoto Baumann)

Da eine Zehenspitze zu weit von der Matte, da eine Landung vielleicht nicht ganz perfekt: Die deutschen Turnerinnen verpassen bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart hauchdünn das Mannschaftsfinale. sehr sich das um Elisabeth Seitz ärgert – es gibt auch Grund zur Freude.

Elisabeth Seitz klappte einem süß-sauren Lächeln ihren Laptop zu und zog gequält die Augenbrauen hoch. Die Olympia-Qualifikation war gelungen, aber zum kompletten Glück fehlte den deutschen Kunstturnerinnen bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart die lächerliche Winzigkeit von 34 Tausendstelpunkten. Online musste die deutsche Rekordmeisterin hilflos mitansehen, wie das Quintett aus Italien an der deutschen Riege vorbeizog und sie aus dem WM-Teamfinale am Dienstag (14.30 Uhr) in der Schleyer-Halle herausdrängte.

Die Chance, sich vor einem großen TV-Publikum zweites Mal zu präsentieren und noch mehr öffentliches Interesse zu generieren, war vertan. Cheftrainerin Ulla Koch war rasch bemüht, den Fokus auf das Lösen der Pflichtaufgabe zu lenken. “Uns sind wirklich Steine vom Herzen gefallen, dass wir Olympia gepackt haben. Die Vorfreude auf Tokio ist jetzt schon da”, sagte die 64-Jährige nach dem neunten Platz im Schlussklassement.

“Noch mehr Risiko gehen”

Verspielt wurde der Sprung ins Finale in erster Linie am Boden, wo kleine Fehler sich insgesamt auf 0,8 Punkte Abzug addierten. Besonders knapp ging es dabei ausgerechnet bei Seitz zu: Mit dem kleinen Zeh “kratzte” die Stuttgarterin die Begrenzungslinie, ohne diesen winzigen Fauxpas hätte es gereicht. Koch studierte das Video und verzichtete anschließend auf einen offiziellen Protest.

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Auch Sarah Voss schaffte es ins Einzelfinale.

(Foto: imago images/Pressefoto Baumann)

Aber natürlich musste sich die WM-Dritte am Stufenbarren diesbezüglich keinerlei Vorwürfe anhören. Denn mit ihrer ausgeglichenen Leistung war die 25-Jährige die Garantin dafür, dass zumindest der olympische Startplatz nie wirklich in Gefahr geriet. Zu Recht darf die Lehramtsstudentin mit Rückenwind in das Mehrkampf-Finale am Donnerstag sowie die Entscheidung am Stufenbarren am Samstag gehen. “Da kann ich auch noch mehr Risiko gehen. Wenn ich dann stürze, ist es mein eigenes Problem”, sagte Seitz: “Das passiert binnen Millisekunden.”

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Und Seitz ist nicht wie schon öfters die letzte Mohikanerin des Deutschen Turner-Bundes (DTB). In ihrem Windschatten bestätigte die deutsche Mehrkampf-Meisterin Sarah Voss ihren Erfolg bei den nationalen Titelkämpfen in und sicherte sich ebenfalls einen Platz im Mehrkampf-Finale. Eine ganz persönliche Premiere für die Kölnerin wie auch die Qualifikation für den Endkampf am Schwebebalken am Sonntag. Die BWL-Fernstudentin will sich durch diese ungewohnte Situation aber nicht aus der Ruhe bringen lassen: “Ich konzentriere mich darauf, ein gutes Gefühl in meine Übungen zu bringen und sie wie im Training abzurufen.”



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