Fünf Tipps für jedes aufstrebende Modelabels


Lille, Frankreich – Maisons de Mode, ein französischer Modeinkubator,
der junge und aufstrebende Talente der Modeszene in den Mittelpunkt stellt,
war im September Gastgeber der elften Ausgabe des jährlichen Modefestivals:
Maisons de Mode 48h Lille.

Die Veranstaltung, die vom 12. bis 15. September stattfand, zeigte 26
Designer und ihre Frühjahr/Sommer 2020-Kollektionen einem internationalen
Publikum; die Eröffnung der ersten Lille Night ( Nacht, in der
eine Reihe von Modegeschäften in der Altstadt von Lille ihre Türen
öffneten, damit Publikum ihre Kollektionen mit Champagner in der Hand
begutachten konnte); und eine Reihe von Podiumsgesprächen unter der Leitung
von Adrien Garcia aus dem Podcast “Entreprendre dans la mode“ standen auch
auf dem Programm.

In den Podiumsgesprächen teilten Branchenexperten ihre Top-Tipps
darüber, wie aufstrebende Designer und Marken es auf dem hart umkämpften
Markt schaffen können. Sie besprachen, wie das knifflige Problem der
Distribution angeht und wie man Social Media effektiv zur Selbstdarstellung
nutzt.

Das sind fünf von FashionUnited’s Takeaways aus den Vorträgen:

1. Eine starke Marken-DNA ist der Schlüssel

Um voranzukommen, besonders wenn es um den Vertrieb geht, muss man
wirklich eine starke Marken-DNA aufbauen, so Sébastien de Hutten, Gründer
des französischen virtuellen Showrooms Playologie. „Wenn Sie ganz ehrlich
sind, müssen Sie die Marken-DNA an erster Stelle setzen, sie muss sehr klar
sein und Sie müssen in der Lage sein, in nur drei Sätzen zu definieren,
worum es bei Ihrer Marke wirklich geht“, sagte er. „Von da an ist alles
viel einfacher.“

Wenn es um Messen geht, ist es wichtig, pragmatisch zu sein, man muss
sie besuchen und seine Nische finden, so de Hutten weiter. „Sie müssen zu
den Messen gehen, denn nur dort werden Sie wirklich verstehen, ob Sie dort
hingehören“, sagte er.

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Von links nach rechts: Diane Lepel Cointet, Sébastien de
Hutten, Patricia Lerat

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2. Machen Sie Ihre Hausaufgaben:

Aber wenn es um die Teilnahme an Showrooms und Messen geht, ist es auch
wichtig, dass man vorbereitet ist, betonte de Hutten. „Jeder muss wirklich
seine Hausaufgaben machen. Sie werden nicht die gleichen Einkäufer an einem
Ort treffen, den Sie an einem anderen treffen würden, also müssen Sie sich
vorbereiten, wissen, was an jedem dieser Orte vor sich geht und ob diese
verschiedenen Einkäufer diejenigen sind, die Sie ansprechen wollen.“

Diane Lepel-Cointet, Marketing- und Kommunikationsdirektorin der
französischen B2B-Modenmesse Tranoï, stimmte zu. Für sie ist es wichtig,
dass Marken vorbereitet auf ihre Messe kommen. „Ich würde sagen, das
vielleicht wichtigste Kriterium ist, dass der Designer bereit ist. Sie
müssen in Bezug auf ihre Kollektionen, den Preis, die Lieferung bereit
sein.“

Wenn ein Designer unvorbereitet kommt und all diese Dinge nicht liefern
kann, dann werden sie vielleicht eine negative Überraschung erleben. „Sie
riskieren, nicht liefern zu können, und werden am Ende enttäuscht sein,
weil sie das Geld dann umsonst ausgegeben haben“, fügte sie hinzu.

3. Multichannel, Stationär und digital kombinieren

„Es ist jetzt wirklich wichtig für Designer, eine gute Kombination aus
Offline und Online zu haben”, sagt Patricia Lerat, CEO und Gründerin von
PLC Paris, einer Modeberater und Markenentwicklungsagentur. „Ich denke, es
ist sehr schwer für einen Showroom, sein Modell auf Online zu übertragen.
Ich denke, selbst Shows wie Who’s Next und Premier Classe hätten das schon
vor 10 Jahren tun sollen“, fügte sie hinzu. „Aber jetzt denke ich, dass es
für Designer unglaublich wichtig ist, wenn Sie Ihre Marke einführen und
versuchen, eine Messe oder einen Showroom zu finden, eine gute
Showroom-Website zu haben.“

Instagram, so Lerat, ist eine weitere Möglichkeit, wie das Bedürfnis von
Marken und Designern, digital zu werden, in den letzten Jahren dramatisch
gestiegen ist. Einkäufer nutzen beispielsweise die Social Media-Plattform,
um Designer und Marken zu erreichen.

De Hutten fügte hinzu, dass er zwar die Notwendigkeit physischer
Veranstaltungen wie Messen und Showrooms schätzt, aber betonte, dass die
Bedeutung digitaler Alternativen nicht übersehen werden dürfe. Im Jahr 2016
gründete de Hutten seinen Showroom Playologie, nachdem er eine Marktlücke
für Einkäufer bemerkt hatte, die nicht an seinen Veranstaltungen teilnehmen
konnten, sei es aus finanziellen, geografischen oder anderen Gründen.

Solche Online-Plattformen ermöglichen es Einkäufern, den Marktplatz das
ganze Jahr über in mehreren Sprachen zu nutzen (Playologie ist in acht
Sprachen verfügbar). Aber de Hutten betont weiterhin die Bedeutung einer
Offline-Präsenz und sagt, dass er den Leuten immer noch rät, Messen oder
Showrooms zu besuchen. „Ich betreibe seit einigen Jahren eine
Online-Plattform, und in den letzten sechs Monaten hat sie enorm an Nutzern
gewonnen, da jeder versteht, wie offensichtlich es heutzutage ist, dass
nichts nur offline funktionieren kann“, sagte er. „Es muss eine Allianz
zwischen Offline und Online geben; dem Physischen und dem Digitalen.“

Die Popularität von Social Media als Werbeträger für Marken ist in den
letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Justine Clenquet, Gründerin ihrer
gleichnamigen Schmuckmarke, sagte, Instagram sei ein besonders wertvolles
Werkzeug gewesen, mit dem jeder Designer neue Kunden erreichen und mit
aktuellen Kunden in Kontakt treten könne. Aber um erfolgreich damit umgehen
zu können, muss man die Identität seiner Marke annehmen und widerspiegeln.
„Ich denke, man muss seiner Marke auf Social Media treu bleiben, man muss
authentisch sein. Jedes Mal, wenn Sie neue Inhalte einfügen, müssen diese
die Identität der Marke repräsentieren“, sagte sie.

Alexandra Remise von der Lifestyle- und Accessoires-Marke Mathilde
Cabanas stimmt zu. Sie sagt, dass es in der Tat zum Teil darauf ankommt,
ein Instagram-Konto für die Marke anzulegen und eine Community aufzubauen,
die ihre Identität wirklich versteht. „Man weiß als Marke, was eine anders
macht, was seine Identität ist. Das ist wirklich wichtig, um zu zeigen,
durch welche Social Media-Plattform Sie sich für die Nutzung entscheiden“
sagte sie. Sie höre oft den Satz “Instagram versus real life“. „Aber für
uns ist Instagram das reale Leben.“

“Unsere Strategie ist es, keine Strategie zu haben”, fuhr sie fort, sich
auf Social Media zu beziehen und erklärte, dass ungeplante und sporadische
Beiträge die spontane und lustige Identität der Marke Mathilde Cabanas
besser widerspiegelten.

48H Maisons de Mode: Fünf Tipps für aufstrebende Modelabels
Von links nach rechts: Steeve Lambert, Alexandre Remise,
Justine Clenquet

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5. Verwenden Sie mehrere Plattformen

Es scheint, dass Instagram die beste Plattform ist, wenn es darum geht,
Mode online zu bewerben, aber die Referenten waren sehr daran interessiert,
die Bedeutung der Verwendung mehrerer Plattformen für die Interaktion mit
dem Publikum zu betonen. Sie empfahlen Designern, Plattformen wie
konkurrierende Social Media-Websites, Newsletter, bezahlte Anzeigen und
Mundpropaganda nicht zu vernachlässigen, was in Clenquets Fall ein
besonders wertvolles Mittel zur Förderung ihrer Marke war.

„Es ist großartig mit der neuen Instagram Checkout-Funktion, mit der Sie
direkt aus der App bezahlen können, denn je schneller ein Kunde eine
Zahlung vornehmen kann, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie ihn nicht
verlieren“, sagte Remise. „Aber man sollte sich nie zu sehr auf eine
Plattform verlassen, weil man nicht weiß, was passieren könnte. Es ist
wichtig, nicht alles auf eine Karte zu setzen.“

Sie empfahl die Verwendung von Newslettern mit Gutscheinen oder
Angeboten – wie z.B. den frühen Zugang zu Produkteinführungen -, um das
Interesse Ihres Publikums an Ihren verschiedenen Plattformen zu wecken.

Fotocredit: Sébastien Gras. Hautpbild v.l.n.r.: Adrien Garcia,
Diane Lepel Cointet, Sébastien de Hutten, Patricia Lerat, Benjamin
Mazza

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited. veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung:
Barbara Russ



Quelle