“Hammerspiel” denn “Sternstunde”: FC Bayern badet in Jubelgesängen


“Wir haben geschrieben. Das war unglaublich, was wir heute erlebt haben.” Nicht nur Bayerns Vorstandschef Rummenigge schwärmt vom überragenden Sieg Münchner gegen Tottenham Hotspur. Beobachter und Fans übertreffen sich in Superlativen. Die Engländer dagegen verzweifeln.

Bayern München mit dem viermaligen Torschützen Serge Gnabry hat beim denkwürdigen 7:2 (2:1) in der Champions League bei Tottenham Hotspur gleich mehrere Rekorde aufgestellt. Die Spurs, in der Vorsaison noch Finalist der Königsklasse, mussten gegen den deutschen Fußball-Rekordmeister die höchste Heimpleite einer englischen Mannschaft in der Europacup-Historie hinnehmen. Außerdem kassierte Tottenham erstmals in seiner 137-jährigen Klubgeschichte sieben Heimgegentreffer.

Es verwundert daher kaum, dass Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit Begeisterung und Stolz auf den Triumph reagierte: “Wir haben Geschichte geschrieben. Das war unglaublich, was wir heute erlebt haben”, rief Rummenigge den Gästen und der Mannschaft bei seiner Bankettrede im Ballsaal des noblen Courthouse Hotel Shoreditch in zu.

Der deutsche Rekordmeister habe “ein unglaubliches Spiel hingelegt”, schwärmte Rummenigge, ohne Torjäger Gnabry namentlich zu nennen. Der Nationalspieler kam rund fünf Minuten nach seinen Kollegen zur Feier – und wurde mit Sonderapplaus bedacht. “Wir haben ja oft die Vergleiche Bundesliga und Premier League. Heute haben zumindest wir von Bayern München nachhaltig bewiesen, dass wir durchaus in der Lage sind, eine Premier-League-Mannschaft der Topklasse zu besiegen”, sagte Rummenigge. “Tolles Stadion, tolles Spiel, ein toller Tag. Ein historischer Tag für Bayern München!”, schloss er seine kurze Ansprache.

Nach Ansicht des n-tv Gastautors Pit Gottschalk besteht nach dem Spiel kein Zweifel mehr daran, dass Manuel Neuer als Nummer eins ins Tor der deutschen Nationalmannschaft gehört. “Beim FC Bayern hielt er gestern an der New White Lane die Abwehr ganz alleine zusammen, als die Spurs Dampf machten. Auf der Linie, im Eins-gegen-Eins, bei der Strafraumbeherrschung: Kein anderer Torwart, auch Marc-André ter Stegen nicht, kombiniert diese Qualitäten auf diesem Level”, so Gottschalk.

“Mia-san-mia-Mentalitätsmonster”

“Seitdem Niko Kovac im Sommer 2018 das Zepter an der Säbener Straße übernahm, hatte man ein wenig das Gefühl verloren, dass der FC Bayern immer und zu jeder Zeit einen Gang höher schalten kann, er es denn muss”, schreibt “Focus Online”. Rückschläge in Form von Gegentoren oder immensem Druck hätten die Roten oft ins Stolpern gebracht – “das aber scheint der Vergangenheit anzugehören.” Der Rekordmeister wirke wie das gierige “Mia-san-mia-Mentalitätsmonster”, welches so lange im Bewusstsein der Fans war und auch international gefürchtet wurde.

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Trainer Niko Kovac selbst bezeichnete die Vorstellung seiner Mannschaft als einen tollen Abend – “für den FC Bayern, für den deutschen Fußball. Hier so ein Spiel abzuliefern, das ist einzigartig.” Was in der zweiten Halbzeit gespielt worden sei, entsprach dem, was sich das Team vorgenommen hatte. “Es war eine Sternstunde für den deutschen Fußball, aber morgen legen wir den Fokus auf die Bundesliga”, so Kovac.

Auf Twitter bedankten sich etliche Fans des Vereins überschwänglich für das “Hammerspiel”. Ein Nutzer schrieb gar von einem “europäischen Highlight”, worüber noch sehr lange geredet werden würde. Ein anderer twitterte “Sauber gemacht Ihr Buben.” Auch ungläubige Stimmen mischten sich in die Reaktionen “Wie ist das passiert?” Vor allem die Leistung von Gnabry wurde gewürdigt. Das Ergebnis an sich weckte indes bei so manchem Erinnerungen an das WM-Halbfinale 2014, als Deutschland Gastgeberland Brasilien mit 7-1 aus dem Turnier warf.

“Katastrophale Niederlage”

Wie Brasilien gedemütigt, fühlte sich die englische Presse – und fiel entsprechend über Tottenham her. “Serge Gnabry erzielt vier Tore bei der brutalen 2:7-Demütigung Tottenhams durch die Bayern (…). Die Stadionuhr zeigte die 55. Minute an, und in den Gesichtern von Tottenhams Verteidigern war die pure Verwirrung zu lesen. Gnabry, der frühere Arsenal-Flügelspieler des FC Bayern München, hatte sie gerade zum zweiten Mal binnen drei Minuten geschreddert. Sie hatten zwar gegen den deutschen Meister gekämpft, lagen zu diesem Zeitpunkt aber bereits mit 1:4 unwiederbringlich hinten. Erstaunlicherweise war dies erst der Beginn des Schmerzes für Trainer Mauricio Pochettino und sein Team an einem Abend, der ernsthafte Fragen zu deren Einstellung aufwarf”, kommentierte der “Guardian”. “

“7 and hell. Demütigung für Poch, als die Spurs zerstört werden. Drei Tore in nur fünf Minuten haben eine Enttäuschung in ein Armageddon verwandelt”, meinte die “Sun”. Und der “Daily Mirror” schrieb sich ebenfalls den Frust von der Seele: “Das war eine komplette Demütigung. Tottenham wurde von Serge Gnabry zerstört. Seine vernichtenden vier Tore brachten die Fans, die ihren Augen kaum trauen konnten, dazu, ihre Mannschaft auszubuhen. Das Ergebnis sollte Schockwellen durch Tottenhams Kabine schicken, denn es war schrecklich, peinlich und niederschmetternd.” Eine der bittersten Äußerungen aber kam von Bayerns Torhüter Manuel Neuer: “Der Hugo Lloris tut mir schon ein bisschen leid”, sagte er in Richtung seines Torhüter-Kollegen. Und wer mag schon das Mitleid eines Konkurrenten haben?



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