Intaktes Team des FC Bayern: Gnabry und Cobalt. verschaffen Kovac Ruhe


Mit Toren fegt FC Bayern den englischen Fußball-Topklub Tottenham Hotspur in der Champions League vom Platz und sendet damit ein deutliches Signal an die europäische Konkurrenz. Der Triumph von London spricht für ein intaktes Gleichgewicht im Kovac-Team.

Die Bosse des FC Bayern hatten sich vor dem Spiel gegen Tottenham Hotspur ein fußballerisches Ausrufezeichen gewünscht, einen Fingerzeig an den Rest Europas: Seht her, mit uns ist in dieser Champions-League-Saison wieder zu rechnen. Und genau haben sie mit dem furiosen Sieg in London bekommen, mit vier Extra Sternchen des überragenden Serge Gnabry. Normalerweise müsste die erste Viertelstunde dieses denkwürdigen Abends diskutiert werden – die Bayern-Abwehr war mal wieder ziemlich ins Schwimmern geraten. Angesichts eines 7:2-Sieges gegen den letztjährigen Finalisten darf man das diesmal aber vernachlässigen. Der Erfolg ist auch ein Verdienst von Trainer Niko Kovac, denn der hat offenbar ein intaktes Mannschaftsgefüge beim deutschen Fußball-Rekordmeister geschaffen.

Tottenham – FC Bayern 2:7

Tore: 1:0 Son (12.), 1:1 Kimmich (15.), 1:2 Lewandowski (45.), 1:3, 1:4 Gnabry (53., 55.), 2:4 Kane (60./FE), 2:5 Gnabry (83.), 2:6 Lewandowski (87.), 2:7 Gnabry (88.)
Tottenham: Lloris – Aurier, Alderweireld,  Vertonghen, Rose – Winks (81. Lamela) – Sissoko, Ndombele (64.  Eriksen) – Alli (71. Lucas Moura) – Kane, Son
München: Neuer – Pavard, Jerome Boateng (72. Martinez), Süle,  Alaba (46. Thiago) – Kimmich, Tolisso – Gnabry, Coutinho, Coman (71.  Perisic) – Lewandowski
Referee: Turpin (FRA) Zus.: 60.127

Joshua Kimmich, Robert Lewandowski und Serge Gnabry – sie waren die Gesichter des Abends. Sie marschieren derzeit vorneweg. Keiner von Ihnen hat bisher einen großen internationalen Titel gewonnen. Die “Sehnsucht” nach einem Champions-League-Titel, sie scheint nicht nur bei Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge groß zu sein.

Kimmich besticht durch Kritik und Leistung

Der Triumph in Tottenham war ein Zeichen dafür, dass der Generationswechsel im Kader auch international funktioniert. Eine der tragenden Säulen im Team ist Joshua Kimmich. Der 24-Jährige hatte nach dem Zittersieg gegen Paderborn öffentlich den Finger in die Wunde des Klubs gelegt und die allzu sorglose Einstellung in der Chancenverwertung sowie im Abwehrverhalten seines Teams bemängelt. In Krisenzeiten ist das ein absolutes No-Go beim deutschen Fußball-Rekordmeister. Diesmal wird dies aber offenbar nicht nur geduldet, sondern scheint durchaus erwünscht – sofern der Kritik erstklassige Leistungen folgen. Kimmich hat genau das gestern getan und das sehenswerte Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich geschossen. Das Innenverhältnis stimmt derzeit bei den Bayern.

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Auch Robert Lewandowski hatte vor der Saison öffentlich Kritik über den damals noch zu schwachen Kader geübt. Jetzt gibt es mit einer Angriffs-Achse von Coman und Gnabry auf den Flügeln sowie Couthino und Lewandowski im offensiven Zentrum so viel Geschwindigkeit und Zug zum Tor, dass auch ein letztjähriger Champions-League-Finalist zeitweise völlig überfordert wirken . Darüber hinaus ist Lewandowskis Torquote furchteinflößend. 14 Tore in 10 Pflichtspielen – der Pole ist momentan so etwas wie die Lebensversicherung des Teams in jedem Spiel.

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Läuft bei Kovac und Gnabry.

(Foto: dpa)

Bleibt noch Serge Gnabry. In der Partie gegen die Spurs wurde einmal mehr deutlich, Bundestrainer Joachim Löw gemeint hat, als er sagte: “Gnabry spielt immer.” Sein überragender Turbo-Auftritt mit seinen ersten Toren in der Königsklasse – und dann gleich im Viererpack – wird auch ihn weiter beflügeln.

Vorerst Ruhe für Kovac

Momentan könnte die Stimmung an der Säbener Straße also nicht besser sein, Klubboss Rummenigge sprach in seiner Bankettrede nach dem Spiel von Denkwürdigem und Historischem – und lobte dabei ausdrücklich Trainer Kovac. Es besteht kein Zweifel daran, dass der Gruppensieg für den FC Bayern in der Champions League nur der Minimal-Anspruch ist.

In der Bundesliga ist die erste Mammut-Aufgabe gegen Rasenballsport Leipzig bereits bewältigt – bis zu den weiteren schweren Brocken dauert es noch etwas. Einer der nächsten Höhepunkte für den Spitzenreiter könnte das Duell mit dem derzeit mit sich selbst hadernden Team von Borussia Dortmund am 9. November sein. Grund zur Sorge besteht derzeit also kaum. Seit der beachtlichen Leistung von gestern Abend spricht viel dafür, dass Kovac vorerst in Ruhe arbeiten kann – dem intakten Gleichgewicht innerhalb seines Teams sei Dank.



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