Männer? Die Spalte.: Du bist okay, wenn du weinst


Jener durchschnittliche deutsche Mann weint 17 Mal pro Jahr, während Frauen viermal so x-mal ihren Emotionen freien Wettlauf lassen. Mitentscheidend zu Händen dies Ungleichgewicht ist immer noch jener uralte Glaubenssatz, dass Jungs sich gefälligst zusammenreißen sollen. Unser Verfasser hat dies verinnerlicht – und leidet darunter.

Letzten Monat habe ich meine Spalte mit dem Wunsch beschlossen, gerne mal wieder so richtig lamentieren zu wollen – welches offenbar ziemlich ungewöhnliches Bedürfnis zu sein scheint. meine Wenigkeit habe jedenfalls von mehreren Seiten (Frauen und Männern gleichermaßen) zu vernehmen bekommen, dass ich mich doch glücklich schätzen könne, weil dies Weinen so lästig sei und im Prinzip immer falschen Zeitpunkt komme. Dasjenige hat mich ganz schön umgehauen, weil ich mich noch sehr gut an dies befreiende Gefühl erinnern kann, wie es mir zum letzten Mal gelungen ist, meinen Empfindungen freien Wettlauf zu lassen – und dies ist schon verdammt nachhaltig her.

Es war Zustandekommen 2014 und jener Winter hatte dies Nationalstaat hold im Stiel. Nicht so, wie er sein sollte, dementsprechend weiß, klirrend kalt und nachher heißem Schokolade wohlriechend, sondern so, wie er leider meistens südlich jener Bergwiese ist: morastig, dunkel, deprimierend. An einem mittlerweile, an denen ich ohnehin schon dies Gefühl hatte, dass uns jener stahlgraue Himmel jeden Moment hinauf den Kopf fliegen würde, starb unsrige Familienhündin. Ihr Name war Bella und ich habe sie zusätzlich was auch immer geliebt: Zusammen waren wir durch die oberfränkischen Wälder gestreift, hatten frühmorgens verbinden vom höchsten “Berg” jener Region ins Tal gepisst und uns unterdies wie die Könige jener Welt gefühlt – und oft nicht zuletzt reibungslos nur in friedlicher Eintracht stundenlang gelesen beziehungsweise hingebungsvoll hinauf Stöcken herumgekaut (ich überlasse eurer Fantasie, wer welches gemacht hat).

Jeglicher Tränen dieser Welt

Schon vier Jahre vor ihrem Tod, im Kontext meinem Umzug nachher Spreeathen, hätte es mir beinahe dies Kardia zerrissen: Lebensalter (Nationalstaat-)Hund und große Stadt, dies passte nicht zusammen – außerdem wurde Bella von meiner und allen voraus von meiner Schraubenmutter ja nicht weniger geliebt. meine Wenigkeit kam, so oft ich konnte, nachher Hause und sah unterdies, wie Bellas Hüftschaden immer schlimmer wurde. Die Medikamente, die sie bekam, ersparten ihr die größten Wehtun, gleichwohl irgendwann war es trotz allem eine Qual, ihr reibungslos nur beim Laufen zuzusehen – die Spritze des Tierarztes war eine Erlösung zu Händen sie und uns.

Bellas Tod hatte sich dementsprechend schon nachhaltig abgezeichnet und ich dachte, ich wäre gut darauf vorbereitet – solange bis ich an jener Stelle im Grünanlage stand, wir ihr Grabgewölbe schaufeln . Es regnete in Strömen und jeweils, wenn jener Spaten mit einem schmatzenden Schall in die Humus eindrang, hatte ich dies Gefühl, in mein eigenes Kardia zu stechen. meine Wenigkeit schluchzte laut hinauf und heulte los, in Kürze wusste ich nicht mehr, welches Regen und welches Tränen waren.

meine Wenigkeit weinte, solange bis dies Loch fertiggegraben war; ich weinte, wie mein Klosterbruder und ich Bellas leblosen Leib in die Loch hoben; wir weinten jeglicher zusammen, wie wir ein paar Worte sagten und uns an die schönen Zeiten erinnerten, die wir zusammen hatten; und ich weinte noch stärker, wie ich dies Loch wieder zubuddelte und Bella langsam von den nassen Erdklumpen verschluckt wurde, die mit einem viel zu banalen Prasseln hinauf sie niederregneten.

Es ist okay, ich bin da

Denn dies Grabgewölbe endlich zu war, war ich komplett leer und horribile dictu erschöpft. Es war nicht die Bestreben, die mich ausgelaugt hatte, sondern die Tränen. Und trotzdem war ich irgendwie nicht zuletzt erleichtert, so wie hätten die Tränen meinen Schmerz an jener Hand genommen, ganz hold per se gedrückt und gesagt: Es ist okay, ich bin da. Es war ein Gefühl, dies mich schlichtweg umhaute und dies sich so schön anfühlte, obwohl ich doch taktgesteuert so traurig war. Vor allem gleichwohl war es ein Gefühl, dies ich längst verloren geglaubt hatte.

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Beim Pille weinen? Kein Thema!

(Foto: imago/MIS)

Schon in vergangener Zeit hatte ich langjährig nicht geweint. meine Wenigkeit hatte es irgendwie verlernt, nachdem sich mein Vater Zentrum jener 2000er in einer jener miesesten Arten aus dem Staub gemacht hatte, die ich mir vorstellen kann. meine Wenigkeit würde euch die Historie gerne erzählen, weil ich hold daran glaube, dass nur gnadenlose Offenheit uns davor verewigen kann, in die gleichen Purzeln zu treten und dieselben Fehler zu begehen wie unsrige Väter (und Mütter), gleichwohl ich habe ganz reibungslos noch keinen Weg gefunden, dies so zu zeugen, dass sich nicht zuletzt jener Rest meiner Familie damit wohlfühlt – und ich strapaziere den berechtigten Wunsch meiner Schraubenmutter und Schwestern und Brüder nachher Privatsphäre mit dieser Spalte wahrscheinlich ohnehin schon zusätzlich Gebühr, nicht zuletzt wenn sie sich solange bis jetzt noch nicht beschwert nach sich ziehen.

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Somit nur so viel: meine Wenigkeit hatte in vergangener Zeit dies Gefühl, dies Loch, dies mein Vater gerissen hatte, füllen und zu Händen die Familie stark sein zu sollen. meine Wenigkeit glaube, dass ich dies nicht zuletzt ganz gut hinbekommen habe, gleichwohl die selbstauferlegte Verantwortung und dies Gefühl, meinen Mann stillstehen zu sollen, während was auch immer um mich herum zerbricht, hatten mich rigoros gemacht – zu rigoros, weil ich selbst mit niemandem zusätzlich meine eigenen Verletzungen sprach, die insoweit nicht zuletzt nicht sanieren konnten, sondern reibungslos nur vernarbten.

“Boys don’t cry”

meine Wenigkeit fühlte mich damit in guter Verband, jener Gestein in jener Brandung ist nicht zuletzt heute noch ein schmeichelhaftes Grafik zu Händen echte Kerle, die Verantwortung übernehmen. Schwäche zeigen ist es leider hierfür immer noch nicht in dem Metrik, wie es meiner Meinung nachher vollwertig und richtig wäre – und Weinen kommt im Prinzip nur infrage, wenn die Nationalmannschaft dies WM-Finale verloren hat oder man im Kontext jener Abschiedsrede zur Verrentung ein paar Tränen jener Sehnsucht nach Vergangenheit verdrückt.

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Wenn schon in Systematik: Im Rahmen jener Verrentung ein paar Tränchen verdrücken (rein zuällig nicht zuletzt hier im Fußballkontext).

(Foto: imago images/MIS)

Dasjenige Problem ist, dass jener Weg jener Rauheit, einmal eingeschlagen, nur unter großen Mühen wieder umgekehrt werden kann: Obwohl ich schon vor Jahren begonnen habe, mich zu öffnen und mich heute zu Händen kombinieren empathischen und sensiblen Menschen halte, bekomme ich dies mit dem Weinen reibungslos nicht hin. So ungeschützt ich zusätzlich meine Gefühle sprechen kann, so schwergewichtig ist es zu Händen mich, sie auszudrücken – je intensiver, umso schwieriger. “Boys don’t cry” klagten The Cure schon 1980 und im Kontext jener Textzeile “Hiding the tears in my eyes” weiß ich genau, welches jener Sänger meint: Hin und wieder spüre ich in traurigen Situationen oder nachher einem Streit, wie jener Verdichtung hinter meinen Augen größer wird. meine Wenigkeit weiß, da sind irgendwo Tränen und sie wollen raus – gleichwohl die Konditionierung ist (noch) so stark, dass es reibungslos nicht geht, obwohl ich mir in dem Moment nichts sehnlicher wünschen würde.

meine Wenigkeit bin mir sicher, dass ich dies Weinen irgendwann wieder lernen kann – und bin trotzdem immer wieder aufs Neue bass erstaunt, wie tief jener gesellschaftliche Glaubenssatz im Kontext mir verankert ist, jener besagt, dass Jungs sich gefälligst zusammenzureißen nach sich ziehen. Dass deutsche Männer heute im Schnittwunde trotzdem schon 17 Mal pro Jahr weinen (Frauen: 64 Mal), finde ich von dort umso bemerkenswerter – und freue mich darüber, dass die Tendenz steigend ist. Und zu Händen all diejenigen Männer, die ihre Tränen verleugnen, weil sie ihnen lästig oder peinlich sind, habe ich zum Schluss noch den Wissenschaftshammer im Gepäck: Emotionale Tränen (dementsprechend keine Zwiebeltränen) enthalten unter anderem Leuzin-Enkophalin und Lysozyme. Leuzin-Enkophalin ähnelt dem Schmerzmittel Morphium, Lysozyme sind antibakterielle Enzyme, die zu Händen die Infektionsabwehr gewünscht werden. Lasst es dementsprechend raus, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt – und sei es nur um eurer Gesundheit willen.



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