Nach Sperre für Lauf-Doping-Guru: Nike gerät in Salazar-Affäre unter Druck


imago20198058h.jpg

Alberto Salazar ist wegen Dopings als Trainer gesperrt worden.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Die Athleten des Project geraten bei der -WM nach der Sperre ihres Cheftrainers in Verruf. Der US-Anti--Verband beeilt sich, sie freizusprechen. Auch Deutschlands Laufhoffnung Klosterhalfen habe sich nichts zu Schulden kommen lassen. Unter Druck gerät dagegen der Hauptsponsor.

In der Affäre um Alberto Salazar rücken auch die Bosse des Sportartikelgiganten Nike in den Fokus, der oberste US-Dopingjäger Travis Tygart sprach die Athleten des umstrittenen Trainergurus dagegen frei. Einen Tag nach der aufsehenerregenden Vierjahres-Sperre für den Chefcoach des umstrittenen Nike Oregon Projects (NOP) wegen Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen kommen immer mehr Details ans Licht. Zudem kündigte der DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska an, nach der Leichtathletik-WM in Doha ein Gespräch mit der deutschen Laufhoffnung Konstanze Klosterhalfen und deren Betreuerteam zu führen. Die Leverkusenerin ist seit April Mitglied des NOP, wird dort aber von Pete Julian trainiert.

eb0b42da84024719fe7e707b0fac8a2e.jpg

Klosterhalfen lässt Rekorde purzeln – und gerät deswegen unter Verdacht.

(Foto: dpa)

das “Wall Street Journal” berichtete, reichen die Verstrickungen der Affäre angeblich bis in die höchsten Konzernkreise des Sponsors und Namensgebers. Demnach seien höchste Nike-Vertreter inklusive Geschäftsführer Mark Parker von Salazar und dem ebenfalls gesperrten Arzt Jeffrey Brown per E-Mail über die Doping-Experimente informiert worden. Laut “WSJ” sei ein Versuch – ob der Gebrauch von Testosteroncreme zu einem positiven Dopingtest führe – auf dem Gelände des Nike-Hauptquartiers durchgeführt worden. In einer Mail, die dem “WSJ” vorliegt, soll Parker geantwortet haben: “Danke für das Update Jeff.” Zudem habe er konkrete Nachfragen gestellt.

Nike will Coach unterstützen

Nach der Sperre hatte Nike am Dienstag mitgeteilt, Salazar bei dessen Einspruch zu unterstützen. Auf eine erneute Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP reagierte der Konzern zunächst nicht. Bereits in der Vergangenheit hatte der Konzern mit Entscheidungen rund um das Thema Doping für Unverständnis gesorgt. So hielten die Offiziellen zunächst auch zum gefallen Radstar Lance Armstrong. Der Vertrag mit der 2016 wegen Dopings gesperrten Tennisspielerin Maria Scharapowa lief weiter. 2015 hatte Nike zudem den damals bereits zweimal wegen Dopings gesperrten Topsprinter Justin Gatlin unter Vertrag genommen.

54530fb38be0f5ad13600ee549e98117.jpg

Sifan Hassan gewann als Oregon-Athletin bereits Gold über 10.000 Meter.

(Foto: imago images/AFLOSPORT)

“Ich hoffe, Nike sieht das jetzt als einen Wake-up-Call. Sie dürfen keine Ausreden mehr finden, sie müssen zugeben, dass Experimente an Sportlern in ihrem Namen und auf ihrem Gelände vorgenommen wurden und dass das einfach falsch war”, sagte Tygart dem ZDF.

Weiter  Heute vor 30 Jahren: Honecker feiert, dasjenige Volk nachgefragt aufwärts

“Versuchstiere”

Der Chef der US-Anti-Doping-Behörde Usada betonte zudem, dass für ihn die Athleten des NOP “Versuchstiere” gewesen seien. “Sie haben die Sportler angelogen und ihre medizinischen Experimente im NOP an ihnen unternommen”, betonte der 48-Jährige: “Sie müssen verstehen, die Athleten hatten wirklich keine Ahnung, was mit ihnen getrieben wurde, was ihnen gegeben wurde. Welche Dosierung, ob die Methoden verboten waren oder nicht, wussten sie gar nicht.”

Tygart gab im ZDF Einblick in die Nachforschungen. Demnach hätten sich zehn Athleten aus dem Nike Oregon Project an die Ermittler der Usada gewandt. “Alle von ihnen haben uns ihre medizinischen Auswertungen zur Verfügung gestellt”, sagte Tygart: “Wir haben herausgefunden, dass die gefälscht waren, falsche Informationen wurden eingefügt, nachdem wir sie offiziell angefragt haben.”

Die Ermittlungen, die am Dienstag zur vierjährigen Suspendierung Salazars geführt hatten, beziehen sich auf die Jahre 2010 bis 2014 – damals gehörte Deutschlands Laufhoffnung Klosterhalfen noch nicht zum dem elitären . Auch andere WM-Athleten seien laut Tygart nicht betroffen.



Quelle