Nagelschmidt tritt zur Nachtschicht an


”, dieser neue Roman von Thorsten , wird ohne Rest durch zwei teilbar mit viel Wehmut gefeiert. Ach, solche wunderbare Zeit, früher, vor ein paar Monaten, qua noch um die Häuser gezogen sind. Man kann die großartigen Porträts dieser Sanitäter, Drogendealer, Taxifahrer, dieser vielen, vielen Nachtarbeiter, die die langen Kreuzberger Nächte möglich zeugen, die Spreeathen erst sexy zeugen, gleichermaßen voneinander abweichend Vorlesung halten – nämlich mit dieser Schamgefühl derjenigen, die solche Dienste trivial selbstverständlich in Anspruch nehmen. Wie sollte man danach “” Vorlesung halten? Am günstigsten Thorsten Nagelschmidt selbst fragen. Welcher Selbst…Grafiker, Sänger und Texter dieser Punker-/Sonstige-Rockmusik-Musikkapelle “Muff Potter” hat in seinem Leben nicht nur selbst vieles ausprobiert, sondern für jedes seinen jüngsten Roman unzählige Interviews geführt und in dieser Nacht gearbeitet.

ntv.de: Welches ist beim Vorlesung halten von “Arbeit” zweckdienlich? Party-Wehmut oder Schamgefühl?

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Arbeit: Roman

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Thorsten Nagelschmidt: Dies Buch ist mit Sicherheit nicht qua Huldigung gedacht. Eigentlich leuchte ich mit einer Taschenlampe in die dunklen Ecken.

Die Sehnsucht nach Vergangenheit hängt sicher gleichermaßen mit dem Veröffentlichungszeitpunkt zusammen: “Arbeit” ist während des Lockdowns herausgekommen.

meine Wenigkeit habe befürchtet, dass “Arbeit” wegen dieser Corona-Zeit ein komplettes Unglücksfall wird. Dreieinhalb Jahre Arbeit umsonst. Dennoch verschieben hätte sich gleichermaßen nicht richtig angefühlt, obwohl mein Verlagshaus mir dasjenige angeboten hat. Qua die Buchhandlungen dann deutschlandweit wieder öffneten, besserte sich meine Laune. Jetzt gibt es vereinzelt wieder Veranstaltungen, im Stream, doch gleichermaßen mit Publikum.

Du hast in dem Buch mit Drogendealern und Flaschensammlern gleichermaßen ungewöhnliche Tätigkeiten qua Arbeit identifiziert. Wie kam es dazu?

Mir geht es beim Terminus technicus Arbeit erstmal ganz wertfrei um Tätigkeiten, die man vornimmt, um die Mietzins zu bezahlen und Brotlaib hinaus dem Tisch zu nach sich ziehen – dasjenige gilt dann für jedes den Polizisten genauso wie für jedes den Taschendieb oder den Drogendealer. Qua ich in den Nullerjahren nachher Spreeathen kam, hätten viele die Begriffe Spreeathen und Arbeit kaum zusammengebracht. Da hieß es noch, in Spreeathen würden sämtliche nur feiern. Hedonismus, Laissez-faire. Dies erschien mir doch früher schon recht von kurzer Dauer gedacht – denn meistens zu tun sein nun mal welche funktionieren, damit andere feiern können.

Andere von dir beschriebenen Jobs, wie die Sanitäter oder sogar die Lieferdienste, gelten dagegen mittlerweile qua “systemrelevant” und wurden zeitweise beklatscht. Welchen würdest du beklatschen?

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Sinnvoller qua Schwatzen.

(Foto: Thorsten Nagelschmidt)

Keinen. Dies empfinde ich qua mindestens paternalistisch, wenn nicht sogar ein sarkastische Bemerkung. meine Wenigkeit habe neulich ein Wandschmiererei gesehen: Lohn statt Lob. Dies sehe ich gleichermaßen so. Am schlimmsten finde ich dasjenige Schwatzen, wenn es aus dieser Politik kommt. Mit so einem 200-Euro-Einkaufsgutschein von oben herab tätscheln, “hier kauf dir was Schönes”, an den Arbeitsbedingungen und dieser Bezahlung doch nichts ändern wollen, dasjenige ist Zynismus. Wir zu tun sein den Zahl von Arbeit neu erkennen. Aktuelles Vorzeigebeispiel ist dieser Tönnies-Sachverhalt, wo es nur drum zu möglich sein scheint, dass dasjenige Virus bloß nicht hinaus die “normale” Nation überspringt. meine Wenigkeit Personal… habe selbst ein sehr ambivalentes Verhältnis zur Lohnarbeit. Nichts gelernt, keine Lehre, nichts studiert. meine Wenigkeit hatte zwar jede Menge furchtbare Jobs, doch ich wusste immer, ich mache dasjenige jetzt, damit ich meine Musik zeugen kann, schreiben kann. Seit dieser Zeit 2005 kann ich von meiner Kunst leben, da bin ich sehr dankbar für jedes.

Gab es wohnhaft bei dir nie die “Geh-doch-zu-Onkel-Werner-in-die-Werkstatt”-Diskussion?

meine Wenigkeit war schon sehr Vormittag sehr widersetzlich, ein Punker-Kid. Deswegen hat meine Schraubenmutter nicht geglaubt, dass sie mir da viel erzählen kann, doch sie hat darunter gelitten, dasjenige weiß ich. meine Wenigkeit komme aus einer Malocher-/Angestellten-Familie, war dieser erste mit Abiturprüfung und dasjenige war schon eine Enttäuschung, dass unbedingt dieser Junge “nichts draus macht”. Den Eindruck hatte ich natürlich gar nicht, ich habe wahnsinnig viel gemacht. meine Wenigkeit habe geschrieben, habe ein Fanzine herausgebracht und hatte meine Musikkapelle. Dennoch halt nicht hinaus klassischer Bildungsebene und es kam gleichermaßen kein Geld derbei rum.

Zu welcher Zeit hat deine Schraubenmutter angefangen, dasjenige, welches du tust, qua Arbeit zu erkennen?

Herkunft, Zentrum dieser Nullerjahre. Da hatten wir ein Management, den ersten Plattenvertrag. Da kam sie dann gleichermaßen zu den Konzerten und war oft die letzte, die ging.

Tanja, die Sanitäterin, oder Ingrid, die Flaschensammlerin/Buchhändlerin, nach sich ziehen Arbeitskleidung. Wie ist dasjenige wohnhaft bei dir? Gibt es verschmelzen Teil des Kleiderschrankes “der Autor” – verschmelzen Teil “der Sänger”?

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Anzugträger, Selbst…Punk-Sänger, Grafiker: Thorsten Nagelschmidt.

(Foto: Verena Brüning )

meine Wenigkeit trage seit dieser Zeit ungefähr zehn Jahren weitestgehend nur Anzüge. Weil ich dasjenige schick finde, doch vor allem aus Gemütlichkeit und banalen, praktischen Gründen. Im Jackett hat man je eine Tasche für jedes Portemonnaie, Notizbuch, Handy und Zigaretten. Heute ist so ein warmer Tag und ich habe nachher noch verschmelzen Termin, da habe ich überlegt, ob ich dasjenige Jackett weglasse, doch dann müsste ich eine Tasche mitnehmen. So verschmelzen Jutebeutel, qua wäre 2005 nie vorüber gegangen.

Du beschreibst im Buch “Arbeit” verschmelzen 12-stündigen Werktag – dieser in dieser Nacht stattfindet. Wie ist dein Arbeitsrhythmus?

meine Wenigkeit habe phasenweise ganz unterschiedliche Arbeitsrhythmen. Textarbeit ist voneinander abweichend qua eine Lesetour. Mittendrin gibt es gleichermaßen mal solche Limbozustände, wo ich gar nichts hinkriege. “Arbeit und Struktur” war mein Lieblingstext von Wolfgang Herrndorf. Jedwede Genre von Struktur muss ich mir Tag für Tag neu erkämpfen, und dasjenige geht am günstigsten durch Arbeit. Dies ist dieser Nachteil, wenn man keinen Chef hat. Man muss gegen sich selbst rebellieren. Vielleicht bin ich deswegen so ein manischer Tagebuchschreiber, weil ich Sachen für jedes mich ordnen muss.

Zu Händen die Recherche zu “Arbeit” hast du nicht nur viele Interviews geführt, du hast manche dieser im Buch beschriebenen Jobs selbst ausprobiert. Welchen würdest oder könntest du, wenn es streng hinaus streng kommt, selbst praktizieren?

Oh, gute Frage. Dies kann ich am günstigsten per Ausschlussverfahren beantworten. Mithin Lieferservice per Rad, mit diesen ausbeuterischen und selbstausbeuterischen Tendenzen, fällt schon mal raus.

Im Zusammenhang mir gleichermaßen, ich bin doch schon keine gute Radfahrerin.

meine Wenigkeit bin ein ganz guter Fahrradfahrer, doch ich würde dasjenige nur ein, zwei Zahlungsfrist aufschieben weit ertragen, dann würde ich durchdrehen. Es liegt natürlich eine gewisse Schwärmerei im Taxifahren, doch die Taximenschen sind ohne Rest durch zwei teilbar noch unterlegen gelaunt qua sonst. Wegen Uber war was auch immer ja schon ohnehin nicht mehr so “Lobet-den-Herrn” wie meine Romanfigur Bederitzky sagen würde, und dann noch Corona. Sanitäter? Nee, kann kein Lebenssaft sehen.

Dazu solche ganzen Entscheidungen übrig Leben und Tod treffen, solche riesige Verantwortung.

Und dasjenige in 12-Zahlungsfrist aufschieben-Schichten, wohnhaft bei sehr überschaubarer Bezahlung. Dies hält man nicht viele Jahre aus. Bleibt wohl nur dieser Drogendealer.

Welcher war im Buch fürsorglich und hatte gleichermaßen so ein kleinster Teil Swag.

Dies ist natürlich, vielleicht wieder romantisierend, dieser gefährlichste Fachgebiet. meine Wenigkeit hatte ja gleich zwei Rauschgifthändler im Buch, die vom Verdienst her, doch gleichermaßen vom Glamourfaktor, nicht weiter voneinander weit sein könnten. Felix, dieser Partydrogen aus seiner Wohnung hervor vertickt, und Moussa, dieser im Görlitzer Park Grün verkauft, weil er keine Aufenthaltserlaubnis hat.

Welches du tatsächlich während dieser Recherche ausprobiert hast, waren Nachtschichten im Hostel.

Ja, für jedes verschmelzen Monat. meine Wenigkeit war überrascht, wie gut die unterschiedlichen Volk miteinander klarkamen, so ganz ohne Law and Order. Un… einem Hostel treffen Menschen mit Schufa-Einträgen solange bis Tegel und ohne Wohnung hinaus solche mit psychischen Problemen. Hinauf Geflüchtete, die die 12,50 Euro pro Nacht zusammengekratzt nach sich ziehen. Hinauf Gast dieser Fashion-Week, Feiertouristen und so weiter. meine Wenigkeit hatte den Eindruck, dass sämtliche versuchen, miteinander klarzukommen. Da nimmt sich so ein Nachbarschaftsstreit mit jahrelangen Prozessen un… mancher wohlstandsverwahrlosten Kleinstadt noch peinlicher aus.

Du hast unzählige Interviews für jedes “Arbeit” geführt. Wer ist dir vor allem im Gedächtnis geblieben?

Die von mir interviewten Gebrauchtbuchhändler waren sämtliche wirklich schlecht gelaunt. Viele davon sind halt vor Jahrzehnten mit dieser Idee gestartet, schöne Bücher und wertvolle Erstausgaben an Connaisseure zu verkaufen. Die Klientel hierfür stirbt doch mehr und mehr aus und dann kamen gleichermaßen noch Amazon und Medimops. Jetzt verramschen sie möglichst große Mengen für jedes 50 Cent pro Buch und zu tun sein wegen dieser absurden Wertschätzung sich kultiviert dünkender Bewohner für jedes dasjenige gedruckte Buch im Sinne von “Ich kann ja keine Bücher wegschmeißen” wertlose Buchspenden nehmen. Qua “Arbeit” herauskam, bin ich mit einem Vervielfältigungsstück zu einem dieser Gebrauchtbuchhändler und er meinte nur: Nee, danke, will ich nicht nach sich ziehen. Er hat sogar abgestritten, mit mir gesprochen zu nach sich ziehen. Tatsächlich hatte er es früher abgelehnt, mir ein Interview zu spendieren, doch wohnhaft bei dieser Bekräftigung so streng übrig seinen eigenen Fachgebiet abgeledert, dass ich aus dieser Tirade viel mitgenommen habe. Er konnte ja nicht wissen, dass genau dasjenige mich wissensdurstig hat.

meine Wenigkeit glaube nicht daran, dass sich beim Themenkreis Arbeit nachher Corona irgendwas Grundlegendes ändern wird, ich empfinde den Sog zurück zur sogenannten “Normalität” schon jetzt qua sehr stark.

meine Wenigkeit bin tendenziell gleichermaßen immer eigentlich schwarzseherisch, glaube doch, dass es nachher 40 Jahren dieser sozial- und wirtschaftspolitischen Liberalisierungen wieder mehr Regulierung spendieren wird. Wir werden nicht zurückkehren zu den 1950er solange bis 1960er, dasjenige wollen ja gleichermaßen die wenigsten, außer vielleicht Populisten, die mit den Emotionen spielen. Dennoch gleichermaßen hier ist die Sache wohnhaft bei Tönnies dasjenige beste Vorzeigebeispiel hierfür, dass es mehr Regulierungen im Arbeits- und Wirtschaftsleben spendieren muss.

Wird es verschmelzen Teil zwei von “Arbeit” spendieren? meine Wenigkeit würde gerne wissen, welches in Zeiten von Corona mit den Figuren passiert. Wer hat zum Vorzeigebeispiel gar noch Arbeit?

meine Wenigkeit könnte für jedes verschmelzen zweiten Teil gleichermaßen die restlichen 12 Zahlungsfrist aufschieben erzählen, danach den Tag. So ein somnabuler Teil zwei. Dieses Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühl müsste sich transferieren, natürlich ohne dass es langweilt. Nicht trivial umzusetzen, ich habe es ja in Ansätzen wohnhaft bei Ten, dem Türsteher, oder Anna, dieser Spätifrau, schon probiert. Wäre eine Idee!

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meine Wenigkeit soll noch von einem Kollegen zurechtrücken: “Muff Potter” waren sehr, sehr gut!

Finde ich gleichermaßen.

Ist die Vergangenheitsform denn noch richtig?

Ja, vielleicht. Wir nach sich ziehen verschmelzen neuen Song veröffentlicht, es hätte gleichermaßen ein paar Konzerte eventuell gegeben, dasjenige ging dann nicht. Dennoch dasjenige Wichtigste ist: Wir nach sich ziehen uns selbst bewiesen, dass es zumindest musikalisch noch Anknüpfungspunkte gibt.

“Muff Potter” nach sich ziehen sich 2009 zerlassen. Haltet ihr untereinander Kontakt?

Ja, wenn gleichermaßen nicht regelmäßig und nicht jeder mit jedem gleich viel. Dennoch dasjenige spielt keine Rolle. Mit meinem Schlagzeuger treffe ich mich vielleicht einmal im Jahr, doch wir sind ohnehin für jedes immer verbunden, ich habe sein Porträt hinaus meinem Knochen tätowiert. Ob wir qua Musikkapelle demnächst mit irgendetwas rauskommen, weiß ich nicht. Um es mit Rocko Schamoni zu sagen: meine Wenigkeit hätte Ziege. Wir lassen uns doch Zeit. Wir zu tun sein zum Hochgefühl nichts mehr beweisen, wir sind leer stehend.

Mit Thorsten Nagelschmidt sprach Samira Lazarovic.