Radikal richtig gemacht


Wir mussten genau die Zeug vermeiden, die unser Leben förmlich umfassen – und dasjenige zusätzlich Wochen. Warum jener Lockdown eine echte Leistung war, ebenso wenn wir es keiner immer selbst gemerkt nach sich ziehen.

100 Tage ist es am kommenden zweiter Tag der Woche her, dass Deutschland dasjenige uff Glace legte, welches wir bisher zu Händen Normalität gehalten hatten. Jenseits Wochen schaute dasjenige Nation täglich uff Fallzahlen, verglich Infektionskurven. Qua es wieder Toilettenpapier und Desinfektionsmittel gab, stellte sich die Frage: Woher eine Maske bekommen? Und zu welchem Zeitpunkt vermählen wir uns erstmals wieder zu Oma und Opa? Jetzt, im warme Jahreszeit und trotz des kritischen Reproduktionsfaktors R, erscheint welche Zeit jener Sorge zu Händen viele weit weg, beinahe unwirklich.

Doch die Jahresabschluss jener ersten Woge lohnt, alleinig schon, um zu staunen, wie es uns gelungen ist, in radikaler Weise dasjenige zu verändern, welches unser tägliches Leben sonst prägt: Kontakt mit anderen Menschen zu nach sich ziehen. “Im modernen Alltag treffen wir auf viele Personen, können an vielen Stellen der Gesellschaft andocken”, sagt jener Münchner Soziologe Armin Nassehi. Plötzlich waren wir zurückgeworfen – ganz uff uns selbst oder uff die Wenigen im eigenen Haushalt, und zwar permanent. “Dabei kommt innerhalb der Familie die Freude über die Anlässe, zu denen man sich intensiv erlebt, ja auch dadurch zustande, dass man zwischendurch viel Zeit woanders und mit anderen verbringt.”

Die Zahl jener Fälle von häuslicher Schwung – gegen Kinder oder unter Partnern – stieg an, wie befürchtet. Doch die allermeisten Familien schafften es, unter schwierigen Bedingungen ihren Job weiterzumachen und den Schulunterricht zu Händen die Kinder teils komplett zu ersetzen. Mörderisch wirkte es sich aus, dass zu Händen dasjenige Lehrpersonal keine einheitlichen Standards gesetzt wurden. Während engagierte Lehrerinnen und Lehrer zur Hochform aufliefen und die Digitalisierung im Schulwesen in Eigenregie vollzogen, machten andere schlicht Quartal unausgefüllt.

Ohne Kontakte geht es nicht

Im Lockdown und jener Kontaktsperre zeigte sich, wie unfrei wir von “unbedeutenden Kontakten” sind, so nennt es Nassehi, jener an jener Ludwig-Maximilians-Universität lehrt. Dasjenige moderne Leben sei von Kontakten geprägt, die engstirnig sind uff eine bestimmte Prozedur und den Wandlung bestimmter Informationen. “Von der Supermarktkassiererin möchte ich wissen, wie teuer mein Einkauf ist. Dem Taxifahrer sage ich, wo ich hin möchte, aber nicht, warum”, erklärt Nasssehi. “Wir leben in einer Gesellschaft, die im Alltag gut damit fährt, dass wir uns gegenseitig für irrelevant halten. Aber nun haben wir gemerkt, wie relevant diese irrelevanten Kontakte für uns sind.”

Wir sahen uns veranlasst zu Verhaltensweisen, die einem selbst in jener Draufsicht qua geradezu neurotisch erschienen. Wenn in 20 Meter Entfernung ein Entgegenkommender uff dem Fußweg erschien, begann manch einer schon damit auszuklügeln, ob es am geschätzten Ort des Aufeinandertreffens wohl mehr Ausweichmöglichkeit nachher sinister oder nachher rechts spendieren würde.

Doch ebenso, wenn die Kontaktsperre alleinig schon eine Herausforderung war, zeigte die Infektionskurve demnächst, dass es sich gelohnt hatte, nebst dem Urteil jener Einschränkungen nicht blind dem Paradebeispiel anderer europäischer Staaten zu hinterher gehen, sondern jeden einzelnen Faktor eines Lockdowns ungelegen zu betrachten: Wäre es tatsächlich zielführend, wenn die Menschen wie in Italien, Spanien oder Grande Nation kaum noch aus dem Haus gingen, und wenn ja, mit ausgefülltem Formular, dasjenige Grund und Ziel angibt? Reichte es nicht mit Blick uff die Übertragungswege, wenn sämtliche darauf achteten, sich wechselseitig nicht zu nahezukommen? Solo die Saison spielte Deutschland schon in die Hände und machte es in den ersten Wochen einfacher, sich nicht zu vielmals mit zu vielen in Parks und Innenstädten zu tummeln. Nachrangig wenn es immer wieder Ansammlungen gab – viele Menschen reagierten sensibel und überlegt und nutzten die Raum, um sich Ziele zu suchen, die nicht überschwappen sein würden. So hat Deutschland die Zahl jener Infektionen kraftvoll nachher unten gedrückt, ohne die drastischen Einschränkungen anderer Länder zu kopieren.

passt sich an Meinung an

In den lokalen Infektionsgeschehen können die dortigen Führungskraft nun schon aus den Erkenntnissen jener ersten Woge profitieren. So ist in den Umwälzen Gütersloh und Warendorf jener Einzelhandel vom Lockdown verschont geblieben. Die Erleben hat gezeigt, dass die Gefahr kümmerlich ist, sich un… kurzen Begegnungen wie beim Gekauftes anzustecken, wenn sämtliche eine Maske nutzen. In jener Regionalisierung des Kampfes gegen die weltweite Seuche sieht Nassehi ebenso den Versuch jener Politik, sich an die Stimmung in der Öffentlichkeit anzupassen. “Das hört sich negativ an, aber man kann nur so viel Macht ausüben, wie diejenigen, über die Macht ausgeübt wird, auch als Legitimation wieder zurückgeben”, sagt Nassehi. “Sonst wird es schwierig.”

Entscheidend sei demnach, ob man die Steuern zu Händen legitim hält. “Selbst wenn wir merken, dass der Staat die Einhaltung durchsetzt, halten wir uns selbst an die Regeln nur dann, wenn wir sie einigermaßen plausibel finden”, sagt Nassehi. “Wäre das nicht der Fall, würde man sich auch nicht darum scheren, dass womöglich Strafen ausgesprochen werden.” Dasjenige spricht zu diesem Zweck, dass am Lockdown zu Händen den einzelnen weniger wichtig war, dass man nun Rage fürchten musste, dass man die neuen Steuern übertritt. Entscheidender war demnach die Sicherheit, dass sich nun sämtliche dran halten würden und damit ein tatsächlicher Folgeerscheinung einsetzt, die Maßregel demgemäß plausibel wurde.

Wir trotzten siegreich jener “Infodemie”, vor jener die World Health Organization (WHO) schon im Februar warnte. Und tatsächlich verbreiteten sich in Netzwerken recht schnell Theorien, die Corona mal qua eine Erfindung jener entlarvten, die damit eine Impfpflicht und Verschiedenes antidemokratische Gesetze durchsetzen wolle. Mal wurde die weltweite Seuche jener Pharmaindustrie zur Vermehrung ihrer Profite zugeschrieben oder ebenso Bill Gates uff dem Weg, die Weltherrschaft zu übernehmen. Hinauf den sogenannten Hygiene-Demos wurde legitime Kritik am Lockdown von schrillen und oftmals rechten Parolen übertönt. Doch parallel dazu stieg die Unterstützung zu Händen die Bundesregierung in den Umfragen stetig an, kam die Union und mit ihr Bundeskanzlerin Angela Merkel uff Traumwerte von 40 von Hundert Unterstützung.

Protest sagt, dasjenige ist falsch gewesen

“Protest ist immer eine starke Vereinfachung der Zusammenhänge”, sagt Armin Nassehi. “Man protestiert ja nicht, um zu sagen, ich hätte hier vielleicht sieben Prozent weniger gemacht, und dort hätte ich überlegt, ob man nicht vielleicht mal… Protest sagt, das ist falsch gewesen.” Die inhaltliche Debatte hinten, die beim – wieder geöffneten – Friseur oder via Skype mit jener Verwandtschaft geführt wurde, musste die Parlamentarismus erdulden. Denn zusätzlich die gesamte Dauer des Lockdowns verschwand nur nebst wenigen jener Eindruck, dass man privat fühlbar mehr Menschen kannte, die unter den Schließungen und ihren Nachsteigen litten qua unter einer Corona-Infektion.

“Die Kritik tat allerdings oft so, als seien wir vor dem Lockdown alle vollkommen frei gewesen. Ein ganz normaler Alltag in einer deutschen Großstadt ist aber vollständig durchreguliert. Diese Regelhaftigkeit ist uns so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir das zum Teil gar nicht merken”, so Nassehi. Während verlangte es ein hohes Messung an Vertrauen und zusammenführen langen Odem, sich gegen den manchmal geradezu unsichtbar erscheinenden Gegner weiter zur Wehr zu setzen, einzig bestätigt durch Berichte aus anderen Ländern und die Kreation jener Fallzahlen in Deutschland.

“Natürlich hat das an manchen Stellen geknirscht”, bilanziert Nassehi. “Und es hört sich für einen Soziologen immer besser an, wenn man sagt, es sei alles schlecht gewesen und dann die Gründe zu nennen. Aber aus meiner Sicht haben wir das recht gut hingekriegt.”