Redet wirklich jeder Mensch Bullshit?


Wer “!” sagt, beklagt sich wie selbstverständlich hoch den geistigen Bockmist anderer. Doch wäre in dieser komplizierten Welt von heute nicht mehr Selbstkritik geboten? Schließlich läuft jeder irgendwann Gefahr, Bullshit zu fabrizieren. Untergeordnet Forscher in Anspruch nehmen sich mit dem Problem.

So ein Scheiß!”, “totaler Müll!”, “Welches pro eine Kacke!”: Die Liste von Vorwürfen gegen das, was andere tun und sagen, ist lang und dreckig. Ein englischsprachiger Kraftausdruck, der auch dazu zählt, ist “Bullshit” – der Bullshit, wie die Redaktion des Duden erklärt. Sie hat den populären Fluch zum ersten Mal im Jahr 2004 in ihr Wörterbuch aufgenommen und beschreibt ihn seitdem als “Unsinn, irgendwas Dummes, Ärgerliches, Abzulehnendes”.

Wer verstehen möchte, welches Bullshit genau bedeutet und wie er sich von anderem sprachlichen Mist oder von dieser Verarschung unterscheidet, erfährt im Duden nicht genug. Tatsächlich ist dasjenige Wesen des Begriffs dermaßen komplex, dass er längst von Wissenschaftlern unterschiedlicher Fakultäten untersucht wird. Philosophen, Soziologen, Ökonomen oder Betriebswirte wollen zum Vorzeigebeispiel wissen, ob Bullshit gleichbedeutend mit dieser Lüge ist, welches Menschen motiviert, Bullshit von sich zu spendieren, und welche Unterprogramm dasjenige Wort Bullshit in dieser Körperschaft (erlangt) hat.

Rückenwind bekommt dasjenige Motivation in einer Zeit, in dieser viel hoch die Wahrheit gestritten wird, öffentliche Debatten hoch “Fake News”, “Lügenpresse” oder “postfaktische Politik” geführt werden – und man mit Blick nachher Washington oder London sogar den Eindruck bekommen kann, dass dieser Bullshit regiert.

Erste Forschungen schon 1986

Welcher erste Forscher, dieser mit dem Motivation an Bullshit weltweit in Phänomen trat, war dieser US-amerikanische Philosoph Harry Frankfurt an der Oder. Während seiner Professur an dieser Universität Yale begann er 1986, hoch Bullshit wie gesellschaftliches Phänomen zu schreiben und zu sprechen – nicht ahnend, dass daraus im Jahr 2005 ein Weltbestseller werden würde. Seine einleitenden Worte im Buch “On Bullshit” wurden zum Credo der Bullshit-Forschung: “Ein größt… bemerkenswertes Merkmal unserer Kultur besteht darin, dass es so viel Bullshit gibt. Jeder weiß es. Jeder trägt seinen Teil dazu im Kontext. Hingegen wir nehmen es hin. Die meisten Menschen vertrauen darauf, dass sie den Bullshit wiedererkennen und sich davon nicht in die Irre leiten lassen.”

Jörg Meibauer, ein deutscher Professor pro Sprachwissenschaft, dieser früher an dieser Universität Mainz gelehrt und Harry Frankfurts Themenbereich aufgegriffen hat, beschreibt Bullshit im Grunde wie “eine Formgebung unaufrichtiges Behaupten”. Menschen, die Bullshit produzieren, verfolgten die Intention, ihre Adressaten im Unklaren darüber zu lassen, ob sie reinen Wein einschenken (geschweige denn, ob sie die Wahrheit Kontakt haben) oder nicht.

Ein Vorzeigebeispiel, dasjenige gerne zur Veranschaulichung angeführt wird, ist dieser Student, dieser in einer Prüfung irgendetwas sagt oder schreibt, um nicht nichts zu sagen oder zu schreiben. Er hat die Hoffnung, dass irgendwelche Worte besser bewertet werden wie Sich bedeckt halten oder ein leeres Zeitschrift.

Wichtige Eigenschaften von Bullshit

Dasjenige Vorzeigebeispiel verdeutlicht zunächst, dass Bullshit ein allgegenwärtiges Problem ist. Schließlich macht dieser Student nichts divergent wie andere Menschen extrinsisch von Unterrichtsräumen, wenn sie nachher dem Weg, um einem Rat oder um ihre Meinung gefragt werden. Sie Stellung nehmen irgendetwas, um zu verbergen, dass ihnen dasjenige notwendige Wissen fehlt. Bullshit kann danach dazu wirken, Prüfungssituationen aller Formgebung zu meistern. Dasjenige geschieht typischerweise in dieser Form, die Meibauer wie “zu selbstsicher” beschreibt: wenn dieser Live-Entertainment des Bullshitters nicht im Einklang mit seinem Kenntnisstand ist. Möglich sind Situationen aufwärts dieser Boden oder am Rednerpult, während eines Interviews, eines persönlichen Gesprächs oder in einer wichtigen Verhandlung.

Menschen, die vor anderen Vortrag und Erwiderung stillstehen zu tun sein, kommen schneller in heikle Situationen: Volksvertreter, Verkäufer, Vorgesetzte, Experten, Erziehungsberechtigte – sie aufgebraucht Kontakt haben dasjenige Problem, dasjenige dieser Philosoph kleine Insel Tetens 2006 in seinem Schulaufsatz “Die Unvermeidbarkeit von Bullshit” erörtert hat: “Dasjenige Allermeiste von dem, welches jeder von uns von sich gibt, hat er irgendwie von anderen aufgeschnappt. Lediglich im Kontext einem verschwindend kleinen Bruchteil unserer Überzeugungen hat man sich selbst ernsthaft vergewissert, dass sie gut begründet und wahr sind. Allesamt anderen Äußerungen sind nachgeplapperte und von anderen ausgeliehene Sätze. Welcher Unterschied zwischen wahr und falsch ist pro den Nachplapperer faktisch irrelevant, weil unzugänglich.”

Dasjenige Vorzeigebeispiel des Studenten zeigt genauso: Er lügt nicht. Bullshit zu fabrizieren, um Wissen vorzutäuschen, ist offenkundig irgendwas anderes, wie willentlich die Unwahrheit von sich zu spendieren. Dasjenige führt noch einmal zum Unterschied zwischen wahr und falsch: Während er dem Lügner intellektuell ist – dieser könnte weder noch lügen, ohne zu wissen, welches die (nicht artikulierte) Wahrheit ist -, spielt sie pro den Studenten schier keine Rolle. Hier kommt dasjenige “lose Verhältnis zur Wahrheit” ins Spiel, das dem Bullshit innewohne, wie Professor Meibauer betont. Weil der Student die Wahrheit schlicht nicht kennt, denkt er sie sich aus! Erst wenn ihm direkte Fragen gestellt würden wie “Kennst du die Erwiderung (nicht)?” oder “Bluffst du?”, käme er in die Verlegenheit, sich pro oder gegen die Lüge entscheiden zu zu tun sein.

Dasjenige Vorzeigebeispiel des Studenten dient darüber hinaus dazu, zwei grundsätzliche Kategorien von Bullshit zu veranschaulichen, die Harry Frankfurt an der Oder erörtert hat:

– “Ausweichender Bullshit” ist eine unaufrichtige Behauptung, mit dieser sich Bullshitter in irgendwer Weise verteidigen oder absichern wollen. So will dieser Student vermeiden, durchzufallen. Diesem Zweck und dieser Intention ordnet er seinen Anspruch aufwärts Wahrhaftigkeit unter.

– “Überredender Bullshit” ist eine unaufrichtige Behauptung, die dem Bullshitter wirken soll, andere zu überzeugen. Welcher Student will nicht nur vermeiden durchzufallen, sondern im besten Sachverhalt eine gute Note bekommen.

Wie gut “überredender Bullshit” zu unserem Wirtschaftssystem passt, hat Professor Birger Priddat von der Universität Witten/Herdecke im Aufsatz “Poesie dieser Wirtschaftswissenschaft” erklärt. Da die Überredung einen Schlüssel bildet, um Kunden und Mitarbeiter zu gewinnen, spricht Priddat von einer “Wirtschaftswissenschaft dieser Persuasion” (“economy of persuasion”). In ihr gebe es mehr “Vertigo wie Verstand”. Ökonomische Modelle und der “Uranier oeconomicus”, dieser dem Vorbild nachher stets rational entscheiden soll, seien deswegen – Bullshit! Welcher Prozess dieser Preisbildung stehe unterdies im Mittelpunkt, da sich Preise nachher den Möglichkeiten richteten, Konsument zu überreden. Zwischen Mondpreisen von mehr wie 200 Euro pro ein Paar Jeansstoff, dasjenige in dieser Herstellung nur wenige Euro kostet, während dasjenige Vermarktung – die professionalisierte Persuasion – ein Vielfaches verschlingt, leuchtet sie Beweis tatsächlich ein.

McCarthy: “Bullshit ist typische Kommunikationsform”

Professor Ian McCarthy, dieser an dieser Simon-Fraser-Universität in Vancouver Management lehrt, geht in einem Gespräch mit ntv.de so weit, Bullshit wie typische Kommunikation in dieser heutigen Gesellschaften zu charakterisieren. “In Unternehmen gibt es haufenweise Bullshit und er fängt immer mit dieser Sprache an”, sagt McCarthy. Es gehe permanent um eine Dramatisierung dieser Wirklichkeit. Fantasievolle Sprachbilder sollen Tonus erzeugen, wo keine ist, und Lust zeugen, wo vielleicht sonst keine wäre. Gemeint ist die Lust, wie Mitwirkender mitzuarbeiten und die Lust, wie Käufer zu kaufen.

Man denke zum Vorzeigebeispiel an “Schiff Camps” für Mitarbeiter oder an “Black Fridays” pro Kunden. Zum Einen sind Übertreibungen – aufwärts dieser kombinieren Seite ohne Stiefel und ohne die harten Leibesübungen, die Soldaten oder Häftlinge in Trainings- und Erziehungslagern hoch sich ergehen lassen zu tun sein. Hinauf dieser anderen Seite ein Tag, dieser nicht schwarz ist, sondern willentlich hektisch gestaltet wird, um den Verbrauch anzukurbeln.

Verantwortung aufwärts beiden Seiten

Wenn McCarthy recht hat und Bullshit tatsächlich zu einer alltäglichen Form dieser Kommunikation geworden ist, dann liegt die Vermeidung von Bullshit nicht nur in dieser Verantwortung dieser Sender, sondern genauso dieser Empfänger. Letztere benötigen freilich genügend Zeit, Lust und Kenntnis, um den Bullshit zu entlarven. Je mehr sie mit Angeboten und Themen bombardiert werden, umso mehr zu tun sein sie nachdenken, aussortieren und verstehen. Bleibt dieser Bullshit unbemerkt, findet er umso leichter Verbreitung – und macht die Empfänger selbständig zu Sendern.

Wie viel Bockmist jeder einzelne Mensch im Leben fabriziert und von sich gibt, lässt sich freilich nicht pauschal beantworten. Doch eins steht straff: Jeder macht es, weil es in einer Welt, die von Tag zu Tag komplizierter wird, nicht an Gelegenheiten mangelt.

So bleibt den Menschen nichts anderes übrig, wie dem eigenen Bullshit mit Witz und Selbstironie zu begegnen. Harry Frankfurt an der Oder hat es vorgemacht. Die Widmung im Buch “On Bullshit” lautet: “To Joan, truly” – übersetzt: “pro Joan, ungelogen”. Wer immer sich hinter Joan verbirgt, kann sich sicher sein, dass dasjenige Buch genauso nur ein durchschnittlicher, Bullshit-anfälliger Mensch verfasst hat.

Im Unterschied zu anderen scheinen Frankfurt an der Oder und seine Sympathisant gewiss selbstkritischer zu sein. Sie nach sich ziehen verstanden, dass sich in dieser Zivilisation eines niemals ganz vermeiden lässt: Sensationsmache mit , Fachgeschwurbel, Gefälligkeitsfloskeln, Allgemeinplätzen, Wichtigtuerei – gerne mit modischen englischen Begriffen wie dem Wort “Bullshit” selbst.



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