Sogar Ex-Coach Mourinho spottet: Man United tuschelt sich in die nächste Krise


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Es wird langsam eng für Man-United-Coach Solskjaer.

(Foto: imago images/PRiME Media Images)

Finanziell verzeichnet Manchester United Rekorde, doch der sportliche Niedergang hält an. Dem Fußballklub aus der englischen Premier League fehlt ein langfristiger Plan, wie auch Trainer Solskjaer beweist. Besserung ist nicht abzusehen.

Es ist meistens ein schlechtes Zeichen, wenn die britische Boulevard-Presse den Rat professioneller Lippenleser einholt. Vor acht Tagen verlor Manchester United 0:2 bei West Ham United. Noch während des Spiels machte eine Sequenz in den Sozialen die Runde, die der TV-Sender “Sky Sports” bei einem Schwenk auf die Ehrentribüne eingefangen hatte.

Der verletzte Abwehrspieler Phil Jones murmelte etwas in seine Trainingsjacke. In der Reihe vor ihm schien sich Vizepräsident Ed Woodward an den Worten zu stören. Er drehte sich um und ermahnte Jones mit strengem Blick. Was viele Fans schon in diesem Moment vermutet hatten, bestätigten später zwei von der “Daily Mail” konsultierte Lippenleser. Jones soll über einen nahenden Rauswurf von Trainer Ole Gunnar Solskjaer gescherzt haben, worauf Woodward ihn angeblich darauf hinwies, dass man unter Beobachtung durch das Fernsehen stehe: “We’re on camera, stop!”

Wie seriös die Analyse der Lippenleser ist, ist schwer einzuschätzen. Es ist aber auch egal. Die Anekdote illustriert den Zustand des englischen Fußball-Rekordmeisters vor dem Premier-League-Spiel im heimischen Old Trafford gegen den FC Arsenal heute Abend (ab 21 Uhr im Liveticker bei nn-tv.de). Manchester United befindet sich wieder einmal in der Krise, und Abwehrspieler Jones ist (vorausgesetzt, die Lippenleser haben Recht) nicht der einzige, der Solskjaers baldige Ablösung für angebracht hält.

Die Zahlen lesen sich finster für den 46 Jahre alten Norweger. Seit dem 3:1 in der Champions League bei Paris Saint-Germain Anfang März, das ihm die Beförderung vom Interimstrainer zur Dauerlösung brachte, stehen in 20 Spielen (nach 90 Minuten) zehn Niederlagen und nur fünf Siege. Unter der Woche blamierte sich der Klub, als im Ligapokal gegen den Vorortverein AFC Rochdale das Elfmeterschießen zum Weiterkommen nötig war.

Konzeptlos ohne Sir Alex

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“The Special One” Mourinho kritisierte jüngst die Situation bei seinem Ex-Klub.

(Foto: REUTERS)

Solskjaers Vorgänger José Mourinho urteilte schon im Anschluss an die Niederlage bei West Ham, dass sich die Lage seit seiner Abberufung im Dezember nicht verbessert hätte. Im Gegenteil: “Die Mannschaft ist noch schlechter als vorher.” Solskjaer selbst zeigt sich kämpferisch: “Wir müssen an unsere Prinzipien glauben, auch wenn wir mal verlieren. Ich habe nie gesagt, dass die Saison leicht wird. Es wird Hochs und Tiefs geben.”

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Neun Monate nach dem Traumstart des Helden aus dem Champions-League-Finale von 1999 gibt es mehr Tiefs als Hochs, und das hat verschiedene Gründe. Sie liegen nicht alleine beim Trainer, sondern reichen weiter in den Verein hinein. Seit dem Weggang von Sir Alex Ferguson vor sechs Jahren fehlt dem Rekordmeister ein Konzept. Es fehlt eine Antwort auf die Frage, welcher Fußball mit welcher Art von Spielern und welchem Trainer-Typen gespielt werden soll. Manchester City und der haben diese Frage für sich beantwortet und ziehen der Konkurrenz davon. Manchester United dagegen lässt sich von kurzfristigen Stimmungen lenken und trifft populistische Entscheidungen. Die Verpflichtung großer Namen wie Paul Pogba, Alexis Sánchez (mittlerweile an Inter weiterverliehen) oder Fred belegen das genau so wie die Beförderung des unerfahrenen aber beim Publikum beliebten Solskjaer selbst.

Mega-Ausgaben für sportlichen Mini-Ertrag

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Mason Greenwood (l.) soll es nun in der Offensive richten.

(Foto: Action Images via Reuters)

Aufwand und Ertrag stehen bei Manchester United in einem dramatischen Verhältnis. Mehr als eine Milliarde Euro hat der Verein geschätzt in der Nach-Ferguson-Ära für neue Profis ausgegeben – mit dem Ergebnis, dass der Klub in dieser Saison zum dritten Mal in dieser Zeit nicht in der Champions League vertreten ist. Auch die Transferbilanz des Sommers weist Mängel auf. Zwar sind die Abwehrspieler Harry Maguire (mit einer Ablösesumme von fast 90 Millionen Euro teuerster Verteidiger der ) und Aaron Wan-Bissaka sowie Außenstürmer Daniel James klare Verstärkungen, doch der Klub verpasste es, einen Spielmacher zu holen und verkaufte den einzigen zertifizierten Torjäger Romelu Lukaku an Inter Mailand. Weil die Offensive aktuell von Verletzungen geplagt ist, ist Solskjaer im Angriff auf den 17 Jahre jungen Mason Greenwood angewiesen, der erst ein Premier-League-Spiel über 90 Minuten im Lebenslauf hat.

Der Klub in Person von Entscheidungsträger Woodward ist dennoch zufrieden mit den jüngsten Einkäufen. In der halbjährlichen Telefonkonferenz mit Investoren nahm er gerade Abstand von dem Plan, einen Sportdirektor zu verpflichten. Dabei hat der Verein fußballerische Kompetenz in der Führung dringend nötig. Woodward ist kein Mann vom Fach, sondern ein Investment-Banker. Er kam zu seinem Posten, als er der Glazer-Familie 2005 bei der Übernahme des Klubs half. Aus seiner Sicht dürfte kein Grund zur Sorge bestehen. Trotz des anhaltenden sportlichen Niedergangs hat der Verein gerade einen Rekordumsatz von mehr als 700 Millionen Euro verkündet.



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