Tod und Turnschuhe: Kann man welcher Trauer fortrennen?


Es gibt viele Gründe zu laufen: Stressabbau, welcher Wunsch in Form zu werden, Masse zu verlieren. Oder unendliche Traurigkeit, weil welcher Mensch, mit dem man sein Leben teilte, sich umgebracht hat.

“Ich kann nicht mehr. Das ist natürlich Quatsch, ich bin gerade erst losgelaufen, aber schon an der Ampel glaube ich, ich kann nicht mehr, nach nicht mal hundert Metern.” Johanna Wokalek liest die ersten Sätze von Isabel Bogdans Roman “Laufen” ein kleinster Teil außer Odem, so denn sei sie tatsächlich laufend unterwegs. Eine Joggerin, die Menorrhagie nicht trainiert hat – sechs oder acht Jahre nicht.

Nun will die Selbst-Erzählerin wieder laufen, ihre Freundin Rike hat es ihr geraten. Rike ist eine gute Freundin, sie hat meist recht mit ihren Ideen. Andererseits die Erzählerin knickt hier immer wieder um, die Laufschuhe sind betagt, sie bekommt Seitenstechen. Mühelos weiterzuatmen ist eine Herausforderung, die weitestgehend nicht zu bewältigen ist. Nebensächlich sonst ist selbige Nullipara ein kleinster Teil neben welcher Spur. Sie lässt die Wäsche in welcher Waschmaschine, solange bis sie müffelt. Sie fängt Bücher an, ohne sie zu Finale zu Vorlesung halten und kauft Nahrungsmittel, die sie nicht isst.

Strich ist sie in eine kleinere Wohnung gezogen, denn welcher Mann, mit dem sie bisher ihr Leben teilte, ist tot. Und sie kann nicht aufhören, mehr als den Tod und dies Fehlen dieses Menschen nachzudenken. In einem langen Selbstgespräch vergewissert sie sich, welches noch bleibt, wenn dies Leben, dies sie sich erhofft hatte, wegbricht. Sie geht zur Therapie und sie läuft. Sie ist traurig, wütend und außer Odem.

Irgendetwas ändert sich

Sie ringt mit welcher Verlorenheit und welcher Verbitterung, wenn schon mit welcher Enttäuschung. “Ich laufe mir die Grübelei weg.” Jener Spezi war Automonteur und tötete sich selbst. Nicht nur dies viel zu große Doppelbett, wenn schon jeder Oldtimer uff den Hamburger Straßen erinnert an ihn. Seine Erziehungsberechtigte möglich sein mit dem Nachlassempfänger des Sohnes nicht im besonderen zartfühlend um, dies Paar war nicht verheiratet. “Dein Vater guckt mir gar nicht mehr in die Augen, er guckt nur stumm an mir vorbei, deine Mutter ist ein einziger Vorwurf, als hätte ich es ahnen können, als hätte ich es wissen müssen, als hätte ich es verhindern können, als würde ich mich nicht selbst dauernd fragen, ob ich es hätte merken können, müssen, sollen, das hätte ich vielleicht, natürlich hätte ich es merken müssen.”

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Laufen

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Andererseits mit jedem Tag, den sie läuft, werden nicht nur die Verlängern länger, sondern wenn schon die Gedanken klarer. Irgendetwas ändert sich: In den nicht enden wollenden Strom immer neuer Gedanken, die ausschließliche Beschäftigung mit sich selbst, mischt sich zunehmend wieder die Außenwelt. Dasjenige anfängliche Gefühl welcher Profimusikerin, sie könne nie wieder Viola spielen, weicht welcher Erkenntnis, dass Arbeit, feste Abläufe und Freundschaften beim Weiterleben helfen. Die zunächst idealisierte Partnerschaft erweist sich im Kontext genauerer Betrachtung denn normal unperfekt. Lediglich die Tristesse des Partners bleibt seltsam unbeschrieben, so denn habe er selbige Erlebnis mit sich genommen.

Bogdan hat nachdem ihrem Publikumserfolg “Der Pfau” ein ganz anderes Buch geschrieben. Mit dem satirisch-kriminalistischen Vorgänger hat “Laufen” nichts gemein. In den 4 Zahlungsfrist aufschieben und 45 Minuten geht es um den nächsten Tag, um Liebe, Kameradschaft und den Tod, um die nackte Existenz, ums Überleben. “Ich kann mir ein Bett kaufen, das nichts mit Dir zu tun hat. Ich kann zehn Kilometer laufen.” Sie kann sogar wieder mit einem anderen Mann schlafen, sie nennt es “Erleichterungsvögeln”. Sie läuft den Wettkampf, pro den sie trainiert hat, und feiert diesen Triumph.

Sie wird sauer, stürzt und schlägt sich dies Kniegelenk blau. Sich selbst zu verzeihen, wird zur Kapitulation. Langsam geht sie sich selbst uff die Nervenkostüm mit ihrem “Psychoeiter”, dieser Wunde, die sich nur sehr langsam schließt und wohl vernarbt bleiben wird. Sie möchte wieder angefasst werden, wenn schon wenn welcher Schmerz immer noch da ist. Immer ruhiger wird Wokaleks Votum, viel freundlicher, ein Lächeln schleicht sich ein, ein Kichern, eine neue Resolutheit. Luft holen, Exhalieren, die Füße voreinander setzen, Musik zeugen, Spaß und Sex nach sich ziehen, Loslassen. Am Finale klingt welcher Name des Toten wie ein Schlusspunkt.



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