Wo Pick-up kein Riegel ist


Im neuen „Tatort“ ermitteln die Kommissare in einer zutiefst frauenverachtenden Szene: Pick-up-„Artists“ wollen wilde Raubtiere sein. Hinter all dem Testosteron stecken ein zynisches Geschäftsmodell und jede Menge Minderwertigkeitsgefühle.

„Pack ihr direkt an die Muschi und lass sie nicht mehr los“, brüllt jener Mann uff jener Speicher seinem Publikum zu. Dasjenige besteht – solange bis uff Ausnahmefall jener Dortmunder Kommissarin Bönisch (Anna Schudt) – ausschließlich aus Männern und quittiert die trumpsche Entgleisung nicht etwa Schreck, sondern mit lautem Grölen. Hinterm Kopf des Mannes prangt dies Konterfei eines Löwen, jener genauso tonangebend uff die Menge herabschaut wie jener Referent selbst: „Lerne Frauen zu erobern“ steht darüber. Und genau deswegen hängen all selbige Männer an den Lippen eines Typen, jener nur uff den ersten Blick smart wirkt. Oder, wie er selbst es formuliert: „Wir wollen ja alle ficken, oder?“

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Zu tun sein sich im neuen Kern traurigen Würstchen herumschlagen: Faber (Jörg Hartmann, l.) und Bönisch (Anna Schudt).

(Foto: Westdeutscher Rundfunk/Zeitsprung pictures/Thomas Kalium)

Im neuen „Tatort“ tauchen die Dortmunder Kriminalbeamter tief in eine Szene ein, die es in sich hat: Pick-up-„Artists“ wollen allen Mitteln möglichst viele Frauen zerren und sehen sich in diesem Zusammenhang selbst wie wilde Raubtiere uff jener Jagen, während dies weibliche Geschlecht zur Beutegut degradiert wird. 700 Frauen will zum Musterbeispiel jener selbst ernannte Künstler seiner Trophäensammlung hinzugefügt nach sich ziehen – „in den letzten zehn Jahren“. Ob er in diesem Zusammenhang denn gar noch Spaß habe, wollen die Kommissare wissen. Welches zu Gunsten von eine blöde Frage, „es geht nur um Macht.“

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Testosterongesättigtes Alpha-Gehabe

Dasjenige ist die eine Seite jener Pick-up-Szene: In ihrer optischen Brillanz austauschbare Typen kantigen Kinnen, ausdrucksstarken Augen und durchtrainierten Bodys, eingepackt in Shirts mit tiefen Vanadium-Ausschnitten und lässige Sakkos samt Einstecktuch, erzählen anderen Männern von ihrer Übermacht. Ihr testosterongesättigtes Alpha-Gehabe und eine oftmals zutiefst frauenverachtende Sprache sind in diesem Zusammenhang viel überlegter, wie es die rohe Form vermuten lässt: Hinter steckt vielmehr ein zynisches Geschäftsmodell, dies mit jener Verlorenheit, den Minderwertigkeitsgefühlen und toxischen Glaubenssätzen anderer Männer spielt.

Im „Tatort“ werden selbige Männer wie traurige Würstchen dargestellt, und dies ist uff den ersten Blick natürlich Neben… nur schlüssig. Hinauf den zweiten ist es in der Tat wie so oft im Leben ein kleinster Teil komplizierter, im Grunde sind Neben… sie nämlich vor allem eines: Todesopfer. Entschuldigen lässt sich dies Ganze natürlich trotzdem nicht: Wer sich uff Pick-up-„Artists“ einlässt oder selbst einer werden will, hat seine Verlorenheit spätestens dann verdient, wenn er den Ratschlägen jener selbsternannten Sex-Gurus folgt.

Je nachdem Schätzung versuchen sich zwischen 50.000 und 100.000 Männer in Deutschland wie Pick-upper wodurch die meisten „Artists“ in diesem Zusammenhang wohl in die zweite Kategorie hinfallen dürften. Und so grotesk es Neben… anmuten mag, Seminare wie dies eingangs geschilderte gibt es wirklich, sie sind noch nicht einmal gerade selten: Die „Größen“ jener Szene vermarkten ihre Kurse ärgerlich, zwei Tage kosten dann gerne mal 499 Euro und mehr. Na dann: Gute Jagen und gute Nacht.